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AMTS: Neuentwicklung im Praxisnetz Nürnberg Süd

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Im Praxisnetz Nürnberg Süd e. V. (PNS) haben sich bisher rund 50 der mehr als 210 Mitgliedsärzte (Hausarzt- und Facharztpraxen) mit ihren Praxisverwaltungssystemen elektronisch vernetzt. „Unsere Vernetzung ist unabhängig vom verwendeten PVS-System der jeweiligen Arztpraxis“, erläuterte Dr. Michael Bangemann, Facharzt für Allgemeinmedizin und PNS-Vorsitzender den Projektstand auf Frage von PERSPECTIV. „Damit können wir die Systeme der beiden großen Systemhäuser sowie die Systeme freier Anbieter anschließen.“

Die Teilnahme am EDV-Verbund des PNS sei Voraussetzung für den Abschluss von Versorgungsverträgen mit gesetzlichen Krankenkassen, so Michael Bangemann. Das System mit zertifiziertem Datenschutz (DIN 27001:2015) sei nach einem Probelauf seit 2012 im Einsatz mit einer großen Datenbank medizinischer Daten (Diagnosen, Laborwerte und Verordnungen) von rund 240.000 Patienten aus Nürnberg.

Dr. Michael Bangemann

Dr. Michael Bangemann

Sehr wichtig für das (1999 gegründete) Praxisnetz sieht dessen Vorsitzender aktuell die IT-Neuentwicklung im Bereich der AMTS. Hierbei gehe es um Interaktionscheck, die Prüfung leitliniengerechter Therapie und der Möglichkeit zur patientenzentrierten Medizin bei Polypharmazie. Offizieller Starttermin war am 01.09.2015. Der behandelnde Arzt erhält im Rahmen dieses AMTS-Verfahrens für die jeweiligen Patienten einen ausführlichen Prüfbericht mit individuellen Therapievorschlägen, so Michael Bangemann. Das dreistufige Medikationskonzept habe bislang gezeigt, dass die Rate der Patienten mit Polypharmazie im Praxisnetz unter zwei Prozent liege (etwa sechs Prozent im bayerischen Landesdurchschnitt).

Michael Bangemann hatte beim Bayerischen Tag der Telemedizin in München im März dieses Jahres das Vernetzungsprojekt des PNS vorgestellt. Fünf Jahre lang sei dieses vorbereitet worden. Die Vernetzung bestehe aus einer eigens entwickelten Software (PN-Client), die auf den Praxiscomputer übertragen werde und die Praxis an das serverbasierte Praxisnetzsystem anschließt. Der PN-Client enthalte Verschlüsselungsssystem und eine Zertifikatsverwaltung, was eine gesicherte Datenübertragung auf den Netzserver gewährleiste. Zudem wird den Praxen ein KV-Safenet-Connector optional angeboten. Dieser bietet sichere Verbindungen außerhalb des Netzes und pseudonymisierte Auswertungen auf einer eigenen Datenbank, ist aber für die eigentliche PNS-Vernetzung nicht erforderlich.

Durch die Teilnahme an der elektronischen Vernetzung ändere sich für Praxen nichts. „Alle arbeiten wie bisher“, erklärte Michael Bangemann laut Ärzte Zeitung (v. 12.06.15) auf der Fachtagung. In bestimmten Abständen senden die Praxen ihre Daten über den Client an den Netz-Server und erhalten ihre Auswertungen. „Nebenprodukt“ sei eine eigene gemeinsame elektronische Patientenkartei, für die sich die Patienten extra einschreiben, berichtete Bangemann. „Den Service bieten wir Kassen an, die mit uns einen Vertrag abschließen.“ Der Patient bekomme dafür eine Karte mit Kassenlogo, den persönlichen Daten des Versicherten und eine vierstellige PIN, mit der er in einer angeschlossenen Praxis seine Daten freigeben kann. Der Patient behalte die Zugriffsrechte zu seinen Daten und entscheide in der Arztpraxis selbst, wem er diese freigebe. Ein Zugriff des Patienten von zu Hause sei nicht möglich.

Das Konzept sei so angelegt, dass der Arzt – unter Berücksichtigung des Datenschutzes – beim Medikamenten-Monitoring darauf hingewiesen wird, „bei welchem Patienten was nachgesehen werden muss“, erläuterte Bangemann. Dabei handele es sich jedoch nur um eine Empfehlung, denn die therapeutische Entscheidung treffe immer der behandelnde Arzt.    

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