Ärztenetze

Arzt- und Praxisnetze – Säulen der regionalen Versorgung

und „Brutstätten für innovative Versorgungsideen“ …

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Die KV Westfalen-Lippe (KVWL) schätzt sie als künftige „Säulen der regionalen Versorgung“ und die Agentur Deutscher Arztnetze e. V. (ADA) nennt sie „Brutstätten für innovative Versorgungsideen“: Die Arbeit von Deutschlands rund 400 Arzt- und Praxisnetzen werden gelobt und gewürdigt. Ziele dieser Zusammenschlüsse sind eine bessere Versorgungsqualität, die engere und sektorenübergreifende Kooperation von Vertragsärzten, Kliniken, Apotheken und Angehörigen anderer Heilberufe sowie mehr Wirtschaftlichkeit.

Bereits das Zweite GKV-Neuordnungsgesetz (1997) hatte die Bildung neuer Versorgungsstrukturen ermöglicht. Der Gesetzgeber schuf zudem zwei rechtliche Grundlagen im SGB V. Die ersten Praxisnetze entstanden vor rund zwei Jahrzehnten. Heute zählen die Bündnisse – außerhalb und unabhängig ärztlicher Fachorganisationen – mehr als 30.000 Mitglieder, das entspricht gut einem Viertel aller niedergelassenen Ärzte.

„Wir sind sicher, dass die Arbeit im Verbund eines Praxisnetzes attraktiver für den ärztlichen Nachwuchs sein wird als die isolierte Arbeit in einer Einzelpraxis“, sagte kürzlich KVWL-Vizevorsitzender Dr. Gerhard Nordmann (laut Ärzte Zeitung v. 02.02.2017). Er lobte die ärztliche Vernetzung insbesondere in ihrer Rolle für die Patientenversorgung in der Fläche. Auch werde mit der engen Zusammenarbeit in den Netzen und dem Austausch mit Kollegen die Arbeitszufriedenheit gesteigert. Zudem erleichtern größere Praxen, Praxisgemeinschaften oder regionale Ärztenetze nach Meinung Nordmanns den Einstieg für junge Mediziner in die Niederlassung speziell auf dem Land.

Die ADA betont, dass in den Arztnetzen auch Projekte entwickelt werden, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten mit neuen Techniken und Therapien eingehen. Weitere Vorteile der Vernetzung sind demnach:

  • Nutzung gemeinsamer Fort- und Weiterbildungen
  • Einrichtung eines gemeinsamen Qualitätsmanagements
  • Entlastung von bestimmten Verwaltungstätigkeiten

Für Mitglieder von Praxisnetzen bleibt die jeweilige Selbstständigkeit in der ärztlichen Tätigkeit bestehen, unabhängig davon, wie stark und weit die Ärzte vernetzt sind. Die Ausrichtung und Ausgestaltung von Arztnetzen sind grundsätzlich regional und standortübergreifend.

Die KBV hat 2013 eine Rahmenvorgabe für die Anerkennung von Arztnetzen verankert. Voraussetzungen für die Anerkennung und gegebenenfalls auch zur Förderung durch die jeweils zuständige KV sind, dass ein Netz

  • mindestens 20 und höchstens 100 Praxen umfasst,
  • seit mindestens drei Jahren besteht,
  • in einer Rechtsform organisiert ist (z. B. als GmbH, e. V. oder eG),
  • sowie klar formulierte Ziele und ein professionelles Management hat.

Seit 2015 können sich Arzt- und Praxisnetze auch mit Projektideen für die Förderung aus dem Innovationsfonds bewerben (lesen Sie hierzu auch „Innovationsfonds – Übertragbarkeit wichtig für Projektauswahl„).

Weitere Infos: www.kbv.de/html/praxisnetze.php

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