Ärztenetze

GOÄ Novellierung: Es geht um unser Verständnis von Freiberuflichkeit

Die Delegierten des Deutschen Ärztetages haben schwere Entscheidungen vor sich.

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Vor dem am 23. Januar in Berlin beginnenden außerordentlichen Deutschen Ärztetag äußerte sich der Sprecher der Ärztegenossenschaft Nord eG (ÄGN), Dr. Klaus Bittmann:

Dr. Klaus Bittmann

Dr. Klaus Bittmann

„Der Vorstand der ÄGN hat die längst überfällige Novelle der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) stets eingefordert. Es war nicht zu erwarten, dass nach ausgiebigen Verhandlungen zwischen Bundesärztekammer und Privaten Krankenversicherungen bedenkliche strukturelle Veränderungen in diese GOÄ einfließen würden. Viele Details des Regelwerkes werden jetzt erst bekannt, belasten das Vertrauen in die Geschicke der ärztlichen Verhandlungsführer. Daher ist es verständlich und erforderlich, dass ein außerordentlicher Ärztetag alle offenen Fragen diskutiert und am weiteren Kurs beteiligt wird. Geht es doch weniger um eine zeitgemäße Leistungshonorierung als um unser Verständnis von Freiberuflichkeit.

Der GOÄ-Entwurf beinhaltet Elemente im Paragraphenteil, die der freien Vertragsbeziehung zwischen Arzt und Patient widersprechen, für beide Teile ein hohes Gut. Schon immer steht eine GOÄ unter staatlicher Aufsicht, aber nur in rechtlicher Sicht. Es besteht keine Notwendigkeit, fachlich und sächlich staatlichem Einfluss die Tür zu öffnen – außer man ebnet den Weg zur „Bürgerversicherung“. Die Delegierten des Deutschen Ärztetages haben schwere Entscheidungen vor sich. Die verfasste Ärzteschaft kann sich fast nur noch schaden. Die Verabschiedung des jetzigen GOÄ-Entwurfs ist kaum zu vermitteln, eine Blockade würde die Novelle entweder für Jahre verzögern oder das Bundesgesundheitsministerium zum Handeln auffordern. Wünschenswert ist eine überzeugende ehrliche Debatte, die die Chance gibt, zügig nachzuverhandeln.

Ich wünsche allen Delegierten einen klaren Kopf und eine glückliche Hand für diesen schweren und wichtigen Entscheidungsprozess! Es geht heute nicht um mehr Geld, sondern, um es nochmals zu betonen, um das Prinzip der Freiberuflichkeit.“

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