Ärztenetze newsletter-aerztenetze

Integrierte Versorgung – „Klare Strukturen verbessern die Versorgung“

„Ob diese jedoch unter dem Strich zu Einsparungen führen, sei dahingestellt.“

© vege – fotolia.com

„Umfassende, weit entwickelte Projekte der Integrierten Versorgung (IV) sind in der Lage die Kosten im Gesundheitsbereich derart stark zu senken, dass sich das auf die Beitragssätze der Krankenkassen auswirkt“. Diese etwas gewagte These stellte kürzlich der Geschäftsführer des Vernetzungsprojekts „Gesundes Kinzigtal“ auf einem Workshop (InnoLab 2017) in Bochum vor (lt. Ärzte Zeitung online v. 1. Dezember). Detailliert wurde diese Aussage nicht belegt, jedoch die „Hochrechnung“ aufgrund des Einsparpotenzials im Kinzigtal aufgemacht, dass sich bei ähnlichen Angeboten bundesweit die Senkung der Kassenbeiträge um 0,7 Prozentpunkte ergeben müsste.

Thomas Rampoldt

„Ich sehe das zwar ähnlich, möchte mich allerdings nicht darauf festlegen, ob damit letztlich tatsächlich Geld gespart wird, geschweige denn, ob sogar Krankenhäuser überflüssig werden“, sagte Thomas Rampoldt, Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft Nord eG, auf perspectiv-Anfrage. Klar sei, dass die Verzahnung der Sektoren durch die Umsetzung von IV-Verträgen einige Veränderungen mit sich bringe. „Natürlich werden hierdurch auch Ressourcen frei, ob diese jedoch unter dem Strich zu Einsparungen oder vielleicht doch nur zur Verbesserung der Versorgung führen, sei dahingestellt“, sagte Rampoldt. Auf jeden Fall sei die verzahnte medizinische Versorgung ein Ziel der letzten Jahrzehnte, „allerdings bisher nur mit kleinen Erfolgen“, schränkte der ÄGN-Geschäftsführer ein. Im Übrigen gebe es die gesetzlichen Möglichkeiten, IV-Projekte zu entwickeln, bereits seit Anfang der 1990-er Jahre.

Als Beispiel – abgesehen vom oft zitierten „Gesunden Kinzigtal“ – nannte Rampoldt das Bundesland Schleswig-Holstein. Auch hier sei die integrierende Projektarbeit auf einem guten Weg: „Die Etablierung von Praxisnetzen, die Entwicklung von sektorenübergreifenden Behandlungspfaden und die Entwicklung der ASV sowie der SAPV sind ebenso wie die Überlegungen zu Portalpraxen, wie gemeinsame Notaufnahme und Anlaufpraxis, wichtige Schritte in Richtung integrierte Versorgung und bringen sicherlich Synergieeffekte“. Zu bezweifeln sei allerdings, ob dadurch unter dem Strich viel Geld eingespart werde. Doch: „Eine Verbesserung der Versorgung durch klare Strukturen bringen sie allemal.“

Auch wenn jeder Sektor im deutschen Gesundheitssystem für sich gesehen einen guten Job mache, „so zeigt die Praxis, dass an den Schnittstellen immer wieder Reibungsverluste entstehen“, meinte Thomas Rampoldt. Typisches Beispiel sei die zurzeit oft diskutierte Notfallversorgung. Der Patient müsse sich dabei zwischen Hausarzt, fahrendem Notdienst, Notaufnahme im Krankenhaus oder Rettungsdienst entscheiden. „Da wir hier kein Notfallsystem aus einem Guss haben, sondern jeder Bereich ihr Bestes gebe, entsteht ein hochwertiges Angebot für die Patienten.“ Jedoch werde dieses vom Patienten nach eigenem Belieben genutzt – „und das mit dem Ergebnis ausufernder Kosten“.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar