Ärztenetze

Vernetzte Kooperation der Fachgruppen spielt bei AMTS eine wichtige Rolle

AMTS-Projekte könnten auch für die Anerkennung der Förderungswürdigkeit von Ärztenetzen sehr wichtig sein

© 4designersart – clipdealer.de

Ärzte- und Praxisnetze genießen eine wachsende Bedeutung für die Implementierung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in der Patientenversorgung. Teils genießt die AMTS bereits eine Vorrangstellung in der vernetzten ärztlichen Aktivität, teils nennt sich dieser Bereich „flankierend“ bei der Netzarbeit, ohne dadurch eine weniger wichtige Rolle einzunehmen.

Vier Beispiele: Die Initiative der Ärztegenossenschaft Nord eG mit dem Projekt SAmS (beteiligt sind BARMER GEK und das Medizinische Praxisnetz Neumünster) sowie die Initiativen im Netz der Gesundheitsregion Siegerland (GRS), die „WestGem-Studie“ im Rahmen der vernetzten Gesundheitswirtschaft Münsterland oder das Praxisnetz „Der zufriedene Patient“ in Mecklenburg-Vorpommern, ein Zusammenschluss, in dem rund 70 Ärzte aus 50 Praxen fachübergreifend in der Patientenbehandlung zusammenarbeiten. Bei diesen vernetzten Kooperationen geht es vorwiegend um die Verbesserung der medikamentösen Situation von älteren und zugleich multimorbiden Patienten, also um AMTS. Dabei ist die Fachgruppen übergreifende Kooperation eine tragende Säule.

Auch bei der Anerkennung der Förderungswürdigkeit spielt AMTS bereits in der ersten Stufe eine erhebliche Rolle: So muss das den Antrag stellende Netz einen systematisierten und etablierten Medikationscheck vorweisen. KBV und Kassen denken hierbei an ein fein abgestimmtes, verbindliches Vorgehen für definierte Patientengruppen, wie z. B. im Bereich der Polymedikation. Nachzuweisen wäre dann auch die Zahl der Patienten mit Medikationscheck. Die ÄG Nord und diverse Netze haben hierzu gemeinsam mit Q-Pharm, beginnend bereits in 2013, Lösungswege erarbeitet. 

Witte_2Von PERSPECTIV zum Stellenwert und zur Bedeutung generell von AMTS innerhalb der Praxisnetze gefragt, sagte der Geschäftsführer der Genossenschaft Gesundheitsnetz Süd (GNS), Steffen Witte: „Wir haben keine direkten Aktivitäten zum Thema AMTS, jedoch beschäftigen wir uns damit innerhalb des Projekts G’sundregion. Diese gilt als Pilotregion, in der wir in einem kleineren Rahmen mit 28 Ärzten sowie Kliniken eine sektorübergreifende Versorgung testen, um die Erfahrungen in andere Netze zu transferieren. AMTS spielt hierbei natürlich eine wichtige Rolle!“

Witte erläuterte dazu weiter, dass die G’sundregion gemäß § 87 b als zweites Netz in Baden-Württemberg die Anerkennung eingereicht hat. GNS werde die eigenen Mitgliedsnetze sowie auch weitere Netze in diesem Anerkennungsverfahren begleiten. Die Rahmenvorgaben in der Basisstufe schreiben einen Medikationscheck sowie einen Netzkonsens zur Arzneimittelverordnung und Therapiesicherheit vor. Die Ausgestaltung liege dabei in Baden-Württemberg noch in den Händen der Netze, „das heißt, wenn ein Ärztenetz sich anerkennen lassen möchten, muss es zur Erfüllung der Vorgaben eine Regelung treffen. Ich denke, dies wird in Zukunft sicherlich eine große Rolle in den Netzen spielen, weil die Zusammenarbeit der Fachgruppen bei AMTS wichtig ist und weil Ärztenetze die Basis bieten, einheitliche Strukturen umzusetzen“.

Auch die aktuelle Forschung zur AMTS ist auf die Mitwirkung mit der vernetzten ärztlichen Welt angewiesen. Deshalb betonen beispielsweise die Projektleiter des Lehrstuhls für klinische Pharmakologie an der Universität Witten/Herdecke die besondere Rolle der Praxisnetze bei der Erschließung von AMTS-relevanten Fakten und Daten von Patienten in Einrichtungen der Langzeitpflege. Bei den wissenschaftlichen Erhebungen erfolge „der Zugangsweg zu den Heimen über vorhandene Ärztenetze“. Immerhin befinden sich zurzeit rund 800.000 Menschen (das ist etwa ein Prozent aller Einwohner Deutschlands!) in stationärer Altenpflege, und das mit steigender Tendenz.

Somit zielt die Arbeit der Ärztenetze im Bereich der AMTS vor allem darauf ab, qualitative Medikationsprozesse für die angemessene individuelle Behandlung von Risikopatienten abzusichern. Ein probates Instrumentarium, dass die AMTS flächendeckend demnächst untermauern wird, dürfte der einheitliche patientenbezogene Medikationsplan sein, der auch im E-Health-Gesetz verankert wird.

Hinterlassen Sie einen Kommentar