Ärztenetze

VSG: Neue Chancen für Netze?

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Das neue Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) bietet Netzärzten auf den ersten Blick nicht die Lösung für die Finanzprobleme der Praxis- und Ärztenetze. Das VSG birgt jedoch bei aller Kritik voraussichtlich einige Chancen, denn in Paragraf 87 b soll die Verbindlichkeit einer Netzförderung erhöht werden. Doch habe, so heißt es im VSG, „der Verteilungsmaßstab der kooperativen Behandlung von Patienten in dafür gebildeten Versorgungsformen angemessen Rechnung zu tragen.“ Damit eröffnen sich andererseits für KVen, die sich bisher sträuben, Netze in ihren Regionen zu fördern, neue Interpretations- und Gestaltungsmöglichkeiten, Das folgerte jedenfalls „Ärzte Zeitung“ (Ausgabe 12.3.15). Auch wenn der gute Wille des Gesetzgebers erkennbar sei, so fehle es bisher weitgehend an Unterstützung in der eigenen Selbstverwaltung.

An direkter Förderung ihrer Arbeit jedoch haben Netzärzte nur wenig durch das neue Gesetz zu erwarten. Doch bietet der Inhalt einige Fundstellen, die indirekt hilfreich sein könnten: So werden zwei Hürden für den Abschluss von Selektivverträgen beiseite geräumt; das sind die Budgetbereinigung für Patienten in den Verträgen und der Erfolgsnachweis binnen eines Jahres. Die Kassen können jetzt ohne Blockade der Aufsicht auf regionale Versorgungsangebote von Netzen reagieren. Der Erfolgsnachweis ist erst nach vier Jahren vorzulegen. Eine Wiederbelebung der IV-Verträge nach Paragraf 140 a – auch Verträge nach Paragraf 73 c sind inkludiert – ist damit möglich.

Geld in die Vernetzung dürfte nun voraussichtlich bald auch durch den Innovationsfonds fließen, über den 300 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt werden. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, sollten die Akteure der einzelnen Sektoren und Kassen in den Regionen gemeinsam überlegen, welche Versorgungsprobleme vor Ort durch innovative Ansätze zu lösen sind. Auch die Evaluation der Ergebnisse könnte dabei für Netze eine interessante Aufgabe sein. Auf diese Weise könnte der Innovationsfonds zu einem Katalysator für verbesserte Versorgungsstrukturen werden, interpretierte die Ärzte Zeitung die neuen Anreize..

Ärztenetze könnten zudem Profiteure durch weitere VSG-Vorgaben werden: Wo Ärzte eng zusammenarbeiten, gibt es in der Regel keine Terminprobleme für Patienten. Vielleicht könnte das dann eine Terminservicestelle ersetzen. Auch dürfte in Regionen mit funktionierenden Netzstrukturen der Austausch mit den Krankenhäusern oft besser geregelt als anderswo sein, besonders wenn Kliniken selbst Mitglieder sind. Von der im E-Health-Gesetz geplanten Förderung elektronischer Entlassbriefe und von E-Arztbriefen generell, werden Netzärzte eher profitieren als andere Ärzte, weil dort organisatorisch vielleicht das Fundament für die IT-Vernetzung bereits gelegt ist. Und: Ärzte in Netzen sind dazru prädestiniert, die Teams in der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) zu bilden und damit Zugriff auf budgetierte Mittel für die Behandlung schwerstkranker Patienten bekommen. Ein professionelles Netzmanagement, das die vorgenannten Aktivitäten motiviert und kanalisiert, dürfte damit in Zukunft eventuell leichter als bisher zu refinanzieren sein.

 

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