Ärztenetze

Klares Votum für die Weiterentwicklung von Praxisnetzen

Eine Netzmitgliedschaft sei eindeutig ein Erfolgsfaktor für ärztliches Wirken und die Sicherstellung der Versorgung.

© Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein

Ein Zwischenfazit der Aktivitäten anerkannter Praxisnetze und ein deutliches Plädoyer für deren Weiterentwicklung als gemeinschaftlich organisierte Leistungserbringer ist auf dem Kieler Kongress für Vernetzte Gesundheit 2018 abgegeben worden. Im Pre-Workshop am 17. Januar wurde von Sprechern von Ärztenetzen sowie der KBV/KVSH zudem die wachsende Bedeutung kommunaler Versorgungszentren (§ 105 SGB V) hervorgehoben. Bei der weiteren Entwicklung solcher Projekte der regionalen vertragsärztlichen Versorgung, die in begründeten Ausnahmefällen realisiert werden können, seien die Interessenten, wie Kommunen und zuständige KV, jedoch „gut beraten, das erst einmal zu erproben“, sagte Dr. Bernhard Gibis, Leiter des KBV-Dezernats für ärztliche Leistungen und Versorgungsstruktur.

In einmütiger Geschlossenheit wurde die Notwendigkeit der Kooperation mit den KVen betont. Auf dieser Grundlage sei nun anzustreben, Modellprojekte von Ärzte- und Praxisnetzen in die regionale Regelversorgung zu überführen, sagte Dr. Carsten Jäger, Vizevorstandsvorsitzender der seit Juli 2011 aktiven Agentur deutscher Arztnetze e.V. (Berlin). Er sowie KBV-Sprecher Gibis bezifferten die Zahl der aktuell von KVen anerkannten und geförderten Praxisnetze auf rund 70 (von insgesamt gut 400 Netzen in Deutschland) in den insgesamt 17 KV-Regionen. Hauptziel sei nun die Erlangung des offiziellen Leistungserbringerstatus (LES) für anerkannte Netze, so Jäger. Zudem sollte es zur Vereinheitlichung der Anerkennungskriterien sowie zur gleichmäßigen Förderung in der ärztlichen Vernetzung kommen, „die substantiell ist und bei den Netzen ankommt“. Bedenken aus der Politik, wonach sich große Netze zu einer Art Anti-KV verbünden könnten, seien inzwischen durch die Zusammenarbeit mit den KVen und einer festzustellenden Versorgungsverbesserung widerlegt.

Ähnlich positiv äußerte sich die Vorsitzende der KV Schleswig-Holstein, Dr. Monika Schliffke: Eine Netzmitgliedschaft sei eindeutig ein Erfolgsfaktor für ärztliches Wirken und die Sicherstellung der Versorgung, hob sie hervor. Bundesweit sei eine Art Vertrauensbonus für Netze durch die KVen festzustellen. Es komme bei den Aktivitäten und Angeboten der Netze wesentlich auf Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit an. – Unter die Überschrift „Kooperation – Hobby oder Notwendigkeit?“ stellte der Vorstandsvorsitzende des Ärztenetzes GENIAL eG (Lingen/Ems), Wolfgang Hentrich, seinen Kurzvortrag. Der Facharzt für Allgemeinmedizin meinte wörtlich, Kooperationsfähigkeit sei nicht unbedingt eine ärztliche Kernkompetenz. „Das muss noch eingeübt werden.“ Doch wer heute nicht kooperiere, drohe isoliert zu werden.

Den Kieler Kongress kommentierend betonte die Ärztegenossenschaft Nord (ÄG Nord) die neue Initiative der Agentur Deutscher Arztnetze (ADA) und der KBV zu unterstützen, Praxisnetze auch MVZ gründen zu lassen. Dr. Svante Gehring, Vorstand der ÄG Nord, und stellvertretener Vorsitzender von MEDI GENO, begrüßt in einer Mitteilung diese Initiative, gibt jedoch zu bedenken: „Wenn wir warten, bis die begründeten Ausnahmefälle, gemeint ist eine Unterversorgung, festgestellt werden, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen“, und weiter: „die Bemühungen, Sitze in der Region zu halten, sollten daher schon deutlich vor der drohenden Unterversorgung greifen“.

Der Vorsitzende des Dachverbands der Praxisnetze Schleswig-Holstein (DPN-SH) Dr. Stefan Homann formuliert es noch deutlicher: „Wir können die Versorgung nicht erst einstampfen, um sie hinterher neu aus dem Hut zu zaubern!“ Er sieht die Kopplung an die Unterversorgung ebenfalls nicht als Voraussetzung. Homann weist darauf hin, dass organisierte Praxisnetze schon jetzt die regionale Versorgung sichern. „Niemand kennt die regionale Versorgungs- und Altersstruktur seiner Region besser als ein Praxisnetz – der Leistungserbringerstatus für Arztnetze ist politischer Wille, der MVZ-Gründerstatus und die Möglichkeit, Ärzte einzustellen, sind konsequente Schritte in diese Richtung“, so Homann.

Gehring und Homann halten daher den § 95 SGB V für zielführender, in dem die vertragsärztliche Versorgung generell geregelt wird. „Wir sind als Ärztegenossenschaft in zahlreichen regionalen Projekten zur Rettung der ambulanten Versorgung involviert“, so Gehring, „wir könnten mit unserem Knowhow nicht nur Arztnetze unterstützen.“ Er plädierte daher für eine Formulierung, die es Ärztegruppen generell erlaube, auch Ärzteorganisationen (z.B. Genossenschaften) zur Gründung eines MVZ zu mandatieren.

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