Ärztenetze

Wertvolle Informationen effizient bündeln und weitergeben

Interview mit Stefan Homann (DPN-SH) zu den Hauptaufgaben von Praxisnetz-Dachverbänden

© Dachverband der Praxisnetze Schleswig-Holstein (DPN-SH) – Logo

Stefan Homann

Stefan Homann

Ärztliche Vernetzungen bündeln sich heute auch in Dach- oder Landesverbänden, um die „Wirkweise“ der Ärzte- und Praxisnetze in den jeweiligen Regionen der deutschen Gesundheitslandschaft zu erhöhen. Dass dabei die Aktivitäten und die Motivation der einzelnen Netze nicht nachlassen, bescheinigt der Erste Sprecher und Geschäftsführer des Dachverbandes der Praxisnetze Schleswig-Holstein GbR (DPN-SH), Stefan Homann. Mit dem Facharzt für Allgemeinmedizin aus Tangstedt führte PERSPECTIV das folgende Gespräch.

PERSPECTIV:  Die fortschreitende ärztliche Vernetzung basiert in erste Linie auf der Notwendigkeit, ein modernes Gesundheitswesen maßgebend mitgestalten zu können. Wird für diese Aufgabenstellung die „Schlagkraft“ der Ärzte- und Praxisnetze durch die Bündelung  in Form von Dachverbänden erhöht? Anders gefragt: Welche Erfahrungen hat bisher Ihr DPN-SH gemacht, der immerhin 21 Mitgliedsnetze umfasst?

Stefan Homann: In erster Linie verstehe ich den Dachverband der Praxisnetze Schleswig-Holstein DPN-SH als Plattform für einen Austausch von Wissen und Informationen in Bezug auf Praxisnetze, deren Rahmenbedingungen und den von ihnen verfolgten Projekten. Wertvolle Informationen effizient zu bündeln und weiterzugeben, ist eine Hauptaufgabe der im DPN-SH organisierten Netze. Hürden und Hindernisse frühzeitig zu erkennen und Probleme zu vermeiden, indem man voneinander lernt kann Prozesse im Sinne eines Best Practice beschleunigen und die Motivation erhöhen eigene Ziele und Projekte durchzuführen. Der DPN-SH versucht immer wieder Impulse und Ideen von außen einzubringen, aber vor allem die Mitgliedsnetze selbst erarbeiten sich zunehmend ein beträchtliches Know-How im Bereich Vernetzung, dessen Austausch sehr wertvoll ist. Langfristig wünsche ich mir den DPN-SH zu einer Ideenschmiede, einem Think-Tank für Problemlösungen im Bereich praxisnetzbasierter Gesundheitsversorgung zu entwickeln. Möglicherweise beinhaltet eine solche Entwicklung zukünftig auch eine stärkere Interessenvertretung der Praxisnetze. Der vorgenannte Anspruch geht meines Erachtens allerdings weit über diese hinaus.

PERSPECTIV:  Besteht vielleicht die Gefahr, dass sich durch die Arbeit in einem effektiven Zusammenschluss einzelne Mitgliedsnetze mit eigenen Aktivitäten nicht eher zurückhalten bzw. zurücklehnen? Oder ist es gar so gewollt, dass kleinere Vernetzungen dem Dachverband bestimmte Zuständigkeiten überlassen, die sie allein nicht „wuppen“ würden?

Stefan Homann: Nein, das sehe ich gar nicht so. Im Gegenteil, der überwiegende Anteil der im DPN-SH organisierten Netze ist hoch motiviert in seiner jeweiligen Region Gesundheitsversorgung durch Vernetzung effizienter zu organisieren. Das gilt für die großen und für die kleineren Netze gleichermaßen. Diese Vorgänge bleiben bei vielen Ähnlichkeiten jedoch immer eine höchst spezifisch regionale Aufgabe. Jedes Netz kennt seine Region am Besten und ist auch gut beraten, den regionalen Besonderheiten Rechnung zu tragen. Darüber hinaus haben wir in Schleswig-Holstein mit der Ärztegenossenschaft Nord einen kompetenten Partner, der bereits einige Netze des Landes in verschiedenen organisatorischen und auch ganz praktischen Tätigkeiten unterstützt und begleitet.

PERSPECTIV: Welche ist im positiven Sinne zurzeit die größte Herausforderung für Ihren Landesverband? Sind eigene, verbandsgesteuerte regionale Versorgungsprojekte in SH angedacht?

Stefan Homann: Der DPN-SH muss, so wie die Leitung, Geschäftsführung oder der Vorstand der einzelen Praxisnetze, seine Mitglieder erreichen und mitnehmen. Der Informationsfluss in beide Richtungen muss funktionieren und Verbindlichkeit eingefordert werden. In diesen Bereichen gibt es immer Verbesserungsbedarf. Ich habe jedoch den Eindruck, dass dieses seit der Neugründung des Dachverbandes vor einigen Jahren auch ganz gut funktioniert. Zum einen weil die Netze das wollen und zum anderen weil wir mit unserer Dachverbands-Koordinatorin Helga Schilk eine in allen Netzen bekannte Kraft haben, die sich kümmert.

PERSPECTIV: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Anerkennung von Netzen und entsprechende Förderungen – nach § 87b SGB V – durch die KV; wie sieht hier der Stand der Dinge in Ihrem Bereich aus?

Stefan Homann: Wir haben in Schleswig-Holstein mit unserer KV eine Körperschaft, die die Potentiale gut organisierter Ärztenetze erkannt hat und diese frühzeitig gefördert hat. Aktuell sind es sieben anerkannte Netze und zwei weitere befinden sich auf dem Sprung zur Anerkennung. Ich würde mir wünschen, dass die Verfahrensabläufe bezüglich der Anerkennungsverfahren transparenter und standardisierter gestaltet werden könnten. Das wäre auch zukünftig von Vorteil, denn die Anerkennung und Förderung ist ja nur der erste Schritt für ein Praxisnetz in eine selbsttragende Eigenständigkeit als Leistungserbringer. Transparente und nachvollziehbare Verfahren werden beispielsweise auch in den Antragsverfahren zu weiteren Förderungen und bei Anerkennung der Ausbaustufen von Netzen notwendig sein. Wir suchen das gemeinsame Gespräch mit der KVSH und ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsame Lösungen finden können.

PERSPECTIV: Welche Erwartungen und Hoffnungen verbinden Sie mit dem Innovationsfonds?

Stefan Homann: Die Hürden des Innovationsfonds sind hoch. Ich glaube nicht, dass einzelne Netze mit kleineren Projekten hier eine Chance haben zu partizipieren. Schon allein deswegen nicht, weil eine Krankenkasse als Kooperationspartner Pflicht ist. Aber Projekte, die mit genügend in Netzen organisierten Ärzten und Versicherten aufgestellt sind und möglicherweise mehrere oder alle Netze des Landes vereinen, könnten Chancen auf Förderung aus dem Fonds haben. Deshalb ist es eine besondere Herausforderung für die Netze Schleswig-Holsteins und den DPN-SH  landesweite, über mehrere Ärztenetze koordinierte Versorgungsprojekte als Projekt für den Innovationsfonds einzubringen. Erste Überlegungen und Gespräche laufen bereits.

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