Gesundheitspolitik

Ärztliche Zweitmeinung jetzt mit festen Verfahrensregeln

So wird darin geregelt, was konkret zur Zweitmeinung gehört, für welche planbaren Eingriffe sie möglich ist und über welche besonderen Qualifikationen Ärzte verfügen müssen.

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Für den Anspruch von Patienten auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung bei bestimmten Eingriffen gibt es jetzt feste Verfahrensregeln, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) festgelegt hat. So wird darin u. a. geregelt, was konkret zur Zweitmeinung gehört, für welche planbaren Eingriffe sie möglich ist und über welche besonderen Qualifikationen Ärzte, die vor einem bestimmten planbaren Eingriff eine zweite Meinung abgeben, jeweils verfügen müssen. Die KBV erklärte hierzu: „Entscheidend ist zudem die ärztliche Unabhängigkeit von etwaigen wirtschaftlichen Interessen an der Durchführung des Eingriffs.“

Der Anspruch auf Zweitmeinung geht auf das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz zurück. Damit sollen gesetzlich Versicherte künftig die Möglichkeit haben, vor bestimmten planbaren Eingriffen einen weiteren Arzt zu konsultieren. Die Eingriffe, für die eine Zweitmeinung eingeholt werden kann, sind nicht auf bestimmte ICD-Codes eingegrenzt. Vielmehr benennt der G-BA sie im „Besonderen Teil“ der neuen Zweitmeinungsrichtlinie. Die ersten hier aufgeführten Eingriffe sind Mandeloperationen (Tonsillektomien, Tonsillotomien) und das Entfernen der Gebärmutter (Hysterektomien). Weitere Eingriffe sollen folgen.

Maligne Erkrankungen bei den benannten Eingriffen, zum Beispiel ein Tumor an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln, sind vom Zweitmeinungsverfahren ausdrücklich ausgenommen. Der Grund ist, dass für den Patienten Verzögerungen im Behandlungsablauf eintreten könnten, doch auch eine Doppelung spezieller Strukturen wie Tumorkonferenzen dürften nachteilig für den Patienten sein.

Durch eine zweite ärztliche Meinung soll das Risiko einer zu weiten Indikationsstellung und damit bestimmter „mengenanfälliger“ Eingriffe, die nicht durchgängig medizinisch geboten sind, verringert werden. Dabei soll sich der Versicherte über die Notwendigkeit des Eingriffs und mögliche Behandlungsalternativen unabhängig beraten lassen können. Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes und ein Anamnesegespräch. Hinzu kommen körperliche Untersuchungsleistungen, die zulässigerweise ein zweites Mal durchgeführt werden dürfen, soweit sie für die Abgabe der Zweimeinung erforderlich sind.

Die Vergütung muss erst noch festgelegt werden, so die KBV. Die Zweitmeinungsrichtlinie des G-BA müsse zunächst vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft werden und tritt erst nach Nichtbeanstandung in Kraft. Anschließend hat der Bewertungsausschuss drei Monate Zeit, die Vergütung festzulegen. Erst dann kann die neue Leistung in Anspruch genommen werden.

Originaltext: http://www.kbv.de/html/1150_31468.php

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