Gesundheitspolitik

Aktuelle Statistik: Immer weniger Hausärzte!

Die Anzahl der Ärzte in grundversorgenden Fächern, vor allem die der Hausärzte, geht weiter zurück.

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Die Anzahl der Ärzte in grundversorgenden Fächern, vor allem die der Hausärzte, geht weiter zurück. Und dieser Trend wird voraussichtlich anhalten, denn viele Medizinstudierende haben keine Lust auf die Hausarzt-Rolle, ergab eine aktuelle Umfrage der KBV. Sie legte gleichzeitig ihre Ärztestatistik für 2015 vor.

Generell haben sich 2015 laut KBV die meisten Trends der vergangenen Jahre fortgesetzt. Insgesamt nahmen gut 167.000 Ärzte und Psychotherapeuten in die vertragsärztliche Versorgung wahr. Davon sind knapp 145.000 Ärzte und rund 22.500 Psychologische Psychotherapeuten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Gesamtzahl zwar um fast 2.400 erhöht (1,4 Prozent), aber die Anzahl der geleisteten Arztstunden ist damit nicht gestiegen. Angesichts des anhaltenden Trends zur Teilzeittätigkeit ergibt sich, so die KBV, lediglich ein Plus von 0,2 Prozent.

Die Zahl der angestellten Vertragsärzte und -psychotherapeuten ist 2015 deutlich um 10,6 Prozent auf 27.174 gestiegen. Ihre Zahl hat sich damit seit 2005 (2.772) fast verzehnfacht!

Der Rückgang der Hausärzte setzte sich in 2015 mit minus 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fort. Ihre Zahl ist auf nunmehr 51.765 gesunken  – das sind 1.170 Hausärzte weniger als 2009. Besonders stark war der Rückgang im Saarland (minus 1,9 Prozent verglichen mit 2014) und in Schleswig-Holstein (minus 1,7 Prozent). Dem hingegen steigerten sich u. a. in Brandenburg (plus 1,1 Prozent), Hessen (plus 0,3 Prozent) sowie Thüringen und Hamburg (plus 0,2 Prozent) die Hausarzt-Zahlen.

Clara Fall

Dr. Klara Fall, niedergelassene Allgemeinärztin: Wie immer bei Statistiken: es lohnt das genaue Hinschauen. Qualität oder Quantität? Bei der ärztlichen Versorgung am liebsten beides! Höchste Qualität in höchst-nötiger Anzahl. Und Qualität definiert sich allein durch das, was den Patienten gut tut. Die Arzt-Patienten-Beziehung ist das zentrale Element dafür, und den Hausärzten kommt hier eine besondere Rolle zu. Schön, wenn Politik und Selbstverwaltung das endlich erkennen und fördern (würden). Die Zeit wird knapp.

Der Kern der Studenten, die sich stark für die Allgemeinmedizin interessieren, liegt zwar seit Jahren konstant bei rund zehn Prozent. Das aber reicht nicht aus, um den Bedarf an Hausärzten auch in Zukunft zu decken, folgerte die KBV. Deshalb möchten Bund und Länder in den nächsten Monaten den Masterplan Medizinstudium 2020 erarbeiten und das Medizinstudium reformieren. Ziel ist es, die Allgemeinmedizin zu stärken, auch um dem sich verschärfenden Landarztmangel entgegenzuwirken.

Woran es liegt, dass viele Medizinstudenten nicht Hausarzt werden wollen, zeigt das Berufsmonitoring 2014 der KBV: Das Gros der 2182 Befragten hat schlichtweg kein Interesse an der Arbeit als Allgemeinmediziner (69,5 Prozent). Knapp jeder Fünfte (19,3 Prozent) begründet seine ablehnende Haltung damit, dass Hausärzte „schlecht bezahlt“ würden. Nur 2,8 Prozent führten an, die Ausbildung dauere zu lange. Eine „schlechte Koordination“ führten 8,1 Prozent als Haupt-Gegenargument an. Die KBV sieht das Imageproblem des Faches mit großer Sorge und folgert in erster Konsequenz, dass die Allgemeinmedizin stärker beworben werden müsse.

Die neueste Arztzahl-Statistik ist hier nachzulesen:
http://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/16393.php

 

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