Gesundheitspolitik

Der „Billigtrend“ bei Medikamenten gefährdet die Versorgungssicherheit

„Die problematische Lieferlage ist allein durch die gesundheitspolitischen Eingriffe entstanden.“

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Dr. Eckehard Meissner

von Dr. Eckehard Meissner

In der ARD-Sendung plusminus* ging es Ende März 2017 um die schon bekannten und sehr problematischen Lieferengpässe bei Medikamenten. Der Gesundheitswissenschaftler Prof. Gerd Glaeske sieht die Ursache darin, so seine Aussage in der Sendung, dass die Wirkstoffe aus rein ökonomischen Aspekten immer häufiger im weit entfernten Ausland produziert werden. Die asiatischen Produktionsstätten in Indien, Bangladesch oder in Vietnam sowie die Unsicherheit bei den Lieferzeiten erzeugten dann die Probleme in Deutschland.

Das Geld, so Glaeske, geht also vor Liefersicherheit! Diese Problemlage sei über die Jahre entstanden, stellte er fest und nannte Gründe: Auf dem Medikamentenmarkt werden möglichst niedrige Preise verlangt, das heißt die Kassen dämpfen über Rabattverträge die Kosten. Somit wurden die Hersteller mehr und mehr gezwungen, besonders preisgünstig zu produzieren, und was lag da näher, als in Länder zu gehen, die ein geringes Lohnniveau haben.

Grundsätzlich sieht er das richtig, der Herr Glaeske. Meine ergänzende Meinung – die aus Sicht des ärztlichen Verordners – ist diese: Die problematische Lieferlage ist allein durch die gesundheitspolitischen Eingriffe entstanden. Völlig unkritisch und ohne „Evaluation“, geschweige denn ohne nachgewiesenen „Zusatznutzen“ dienten und dienen die politischen Vorgaben einzig dem Ziel der Kostenreduktion. Und das gefährdet heutzutage die Versorgungssicherheit bei der Betreuung der Patienten in Diagnostik und Therapie gleichermaßen!

Mein kurzes Wort noch zu den Herstellern: Wie bei anderen produzierenden Wirtschaftszweigen, so kann auch die Pharmaindustrie nämlich nur dann überleben, wenn sie mit den verkauften Medikamenten einen Gewinn erzielt. Doch genau das ist heute im Bereich der Generika kaum noch möglich. Hier droht ein sogenannter negativer Deckungsbeitrag, d.h. ein finanzieller Verlust bei jeder verkauften Schachtel, sodass der notwendige wirtschaftliche Erfolg eines Pharmaunternehmens ausbleibt. Das ist dann wie bei der sprichwörtlich ausgequetschten Zitrone, die trotz stärkerem Druck keinen Saft mehr liefert.

*Quelle (Glaeske):
http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/arzneimittel-lieferengpaesse-100.html

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