Gesundheitspolitik

Gesundheitswirtschaft – ein Spagat für niedergelassene Ärzte

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Die Gesundheitswirtschaft zählt heute zu den größten Branchen der deutschen Wirtschaft. Sie ist durch ihre Innovationskraft und ihre Beschäftigungsintensität ein Wachstums- und Beschäftigungsmotor. Ihre Entwicklung verläuft zudem konstanter als die der Gesamtwirtschaft. Das sagt jedenfalls das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Kein Wunder, dass die Gesundheitswirtschaft deshalb eine maßgebliche Position in den Kompetenzbereichen des BMWi einnimmt.

Die Gesundheitswirtschaft und ihre Finanzierung werden vom BMWi so abgegrenzt: Der Erste Gesundheitsmarkt, bei dem die „Produkte“ hauptsächlich über die gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet werden, und der Zweite Gesundheitsmarkt, dessen Produkte privat finanziert werden. Zudem wird die Gesundheitswirtschaft in der amtlichen Wirtschaftsstatistik über ihre Waren und Dienstleistungen definiert. Dadurch wird es laut Ministerium möglich, die Betrachtung der Gesundheitswirtschaft um die Darstellung ihrer Wertschöpfung zu erweitern.

Problematisch sind aber Antworten auf Fragen, ob der zum Ersten Gesundheitsmarkt zählende ärztliche niedergelassene Sektor – neben den Kliniken der wichtigste und wesentliche Heilbereich im Kampf gegen Krankheiten – komplett rein gesundheitswirtschaftlich einzuordnen ist. Denn wirtschaftliches Agieren besteht nun einmal vor allem aus Umsatz- und Gewinnorientierung. Diverse Veröffentlichungen von Experten verschiedener Fachrichtungen beschäftigen sich deshalb gezielt mit diesem Thema, wie z. B. die Abhandlung mit dem Titel „Die ärztliche Profession und ärztliches Handeln im Spannungsfeld von Medizin und Ökonomie: Wird der Arzt zum Gesundheitsmanager?“ von Prof. phil. Karl Kälble (www.wido.de/fileadmin/wido/downloads/pdf_ggw/wido_ggw_0314_kaelble.pdf ).

Verdrängt wirtschaftliche Ausrichtung der Ärzte das traditionelle Rollenbild?

Prof. Kälble fächert hierbei z. B. auf, wie sich die geänderten ökonomischen Rahmenbedingungen, so auch die auf Kostenbegrenzung und mehr Wirtschaftlichkeit zielenden Steuerungsversuche der Gesundheitspolitik, auf die Autonomie der ärztlichen Profession auswirken. Welche Konsequenzen sind damit verbunden, wenn den niedergelassenen Ärzten der Spagat zwischen medizinischer und ökonomischer Orientierung nicht gelingt. Der daraus resultierende Wandel des Arztbildes zeige sich darin, so der Autor, dass die Freiheit der ärztlichen Entscheidungen zunehmend um eine ökonomische Verantwortung für effiziente Versorgungsstrukturen und einen effizienten Mitteleinsatz ergänzt werden muss. Dem Arzt der Zukunft wird, so zieht Kälble sein Fazit, neben fachlicher Expertise zunehmend auch unternehmerisches Verständnis abverlangt: „Kompetenzen in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement sowie in ethischer Entscheidungsfindung gehören heute ebenso zum Arztprofil wie die Kenntnis rechtlicher Zusammenhänge sowie Reflexions- und Kommunikationskompetenz.“ Zudem müsse die medizinische Versorgung als Teamaufgabe begriffen werden. Es bleibe aber abzuwarten, „ob die Ausrichtung auf die Wirtschaftlichkeit ärztlichen Handelns die traditionellen Rollenerwartungen an Ärzte tendenziell in den Hintergrund drängen wird und sie sich zukünftig stärker in Richtung eines Gesundheitsmanagers weiterentwickeln werden“.

Das BMWi kommuniziert in seinem öffentlichen Autritt, dass „das Thema Gesundheit alle Lebensbereiche durchdringt“. Gesundheit sei längst „ein Megatrend“. Die Anhebung des Gesundheitsniveaus der Bevölkerung sichere Wachstum und Wohlstand in Deutschland. Damit sind laut Ministerium „die Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotentiale, die durch das in der Vergangenheit oftmals vorherrschende Kostendenken nicht berücksichtigt wurden, mehr und mehr in den Vordergrund gerückt“.

Adressen-Hinweis für Gesundheitsexperten: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Referat für Gesundheitswirtschaft / Gesundheitswirtschaft in Europa (Referat ZB4), Scharnhorststraße 34-37, 10115 Berlin, E-Mail: BUERO-ZB4@bmwi.bund.de

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