Gesundheitspolitik

Neu: Die Gesundheitskarte für Flüchtlinge

© Ordermed GmbH

Mit der Flüchtlingswelle wurde auch der Ruf nach gesundheitlicher Versorgung lauter. Der Versuch, die Gesundheitskarte auf Bundesebene mit der Möglichkeit größerer Datenspeicherung auf den Weg zu bringen, wurde bisher jedoch abgelehnt. Damit ist die Versorgung zunächst auf der Landesebene in die Kommunen verlagert. Die neue Gesundheitskarte für Flüchtlinge, die von vitabook auf der Grundlage ihrer im Jahr 2012 preisgekrönten E-Health-Lösungen entwickelt wurde, erfüllt die Anforderungen an diese spezielle Gesundheitskarte. Die Abrechnung der Ärzte erfolgt in diesem Fall direkt über die Kommunen. Insofern müssten die Krankenkassen nicht eingebunden werden. Die Patienten sollen zudem von Zuzahlungen befreit werden.

Die Gesundheitskarte ist für Flüchtlinge kostenlos und kann einzeln sowie für Familien genutzt werden. Die 30.000 Einwohner zählende Stadt Geestland (bei Cuxhaven) ist die erste in Deutschland, die ab sofort davon Gebrauch machen wird. Die Karte erfüllt auf Anhieb den Bedarf nach schneller, unbürokratischer, medizinischer Hilfe bei Schmerzzuständen und Medikamenten, auf die eine große Zahl der Flüchtlinge angewiesen ist.

Die vitabook-Karte ermöglicht den kürzesten Weg zwischen Behörde, Patient und Arzt, ohne irgendeine der wichtigen therapeutischen Maßnahmen und Dokumentationen auszuschließen. Auf dem zugehörigen online-Gesundheitskonto werden Name, Geburtsdatum und vorläufige Adresse der Flüchtlinge registriert sowie darüber hinaus die Krankengeschichte, die der unmittelbaren Behandlung bedarf. Ärzten, Kliniken und Apotheken wird es mit der Karte und den dahinter liegenden Daten ermöglicht, Therapien einzuleiten, sich auszutauschen und den Verlauf zu verfolgen bzw. zu aktualisieren.

Markus Bönig

Markus Bönig

Bei der Entwicklung dieser speziellen Gesundheitskarte kam dem Startup-Unternehmen vitabook.de seine große Erfahrung im Bereich seiner E-Health-Produkte zugute. „Mit der Mechanik Implantatausweis in Verbindung mit unserem NotfallQR und dem Pflegedienst-Zugang konnten wir fast aus dem Stand genau die Lösung für die Kommunen realisieren, die im Moment so dringend gebraucht wird“, so der Gründer Markus Bönig. „Wir haben die komplette IT-Lösung bereits entwickelt und im Einsatz – und können sie nun den Asylsuchenden zur Verfügung stellen.“

Der genaue Ablauf: Bei der Registrierung in den deutschen Behörden kann die Karte online in einem eigens programmierten E-Health-Gesundheitskonto gleich mit den Eckdaten der Person und ihrer Familie bestückt werden. Akute Zustände sowie aktuelle Medikamente können dem Gesundheitskonto hinzugefügt werden. Damit ist die Karte von kommunaler Seite her aktiviert und wird dem Asylsuchenden als sicherer Zugang zu medizinischer Versorgung ausgehändigt. Abgerechnet werden die Behandlungen vom Arzt direkt über die Kommunen.
Über die individuelle Kartennummer und einen Sicherheitscode gewinnen sowohl der Patient als auch Ärzte, Kliniken und Apotheker sofort eine Übersicht, wie sie Flüchtlingen im Notfall und bei einem Arztbesuch am besten helfen können. Alle, die an der Behandlung beteiligt sind, können die elektronische Patientenakte von nun an online kontinuierlich ergänzen. Die Eckdaten von Patienten können für jeden Notfall online eingetragen sowie Name und zuständige Kommune auf der Karte verzeichnet werden. Ärzte und Apotheker wissen damit, wer für die Abrechnung zuständig ist, ohne dass Krankenkassen dazwischen geschaltet werden müssen.

Daten für den Notfall, Vorgeschichte, aktuelle Untersuchungsergebnisse, chronische Erkrankungen, Impfungen oder Röntgenaufnahmen – die User können über den Kartenzugang alle Dokumente im Gesundheitskonto hinterlegen. Aktuelles lässt sich auch mit dem Smartphone abfotografieren und ins Konto senden. Dem Patienten selbst steht eine aktuelle Leseansicht zur Verfügung. Apotheker können online verordnete Medikamente in der Gesundheitskarte eintragen und verwalten.

Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Bremen, Berlin und Brandenburg wollen innerhalb der nächsten Monate die herkömmliche Gesundheitskarte in Kooperation mit Krankenkassen auf den Weg bringen. Die Krankenkassen verlangen dann einen Pauschalpreis von 220 Euro pro Flüchtling im Monat plus 10 Euro Verwaltungsgebühr, unabhängig davon, ob die Karte überhaupt genutzt wird. Laut Deutsche Apotheker Zeitung wird der Bund „die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Länder, die eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge wollen, diese mit möglichst geringem Verwaltungsaufwand einführen können“.

Links zur neuen Gesundheitskarte für Flüchtlinge:
www.vitabook.de/refugee
www.implantatausweis.de
www.notfallqr.de