Gesundheitspolitik

Studie: Medizinische Versorgung wird ambulanter

Das besagt das Ergebnis einer aktuellen Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

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Die medizinische Versorgung wird ambulanter. Das besagt das Ergebnis einer aktuellen Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Das Institut hat mehr als 4.200 Abrechnungsziffern analysiert, die ambulant und stationär erbracht werden oder solche Leistungen betreffen, mit denen Einweisungen vermieden werden können. Dabei hat das „Zi“ Krankenhausfälle mit ambulant-sensitiven Diagnosen untersucht, also Fälle, die durch eine vorausschauende ambulante Behandlung vermeidbar sind oder ebenso von einem Niedergelassenen hätten versorgt werden können. So gelten einige der Gebührenordnungspositionen (GOP) im EBM, die zur Stärkung des ambulanten Sektors eingeführt wurden, inzwischen tatsächlich als stationsersetzend, teilte das „Zi“ am 26. Juli 2017 mit.

Die Zi-Liste führt der Zuschlag für die Behandlung durch konservativ tätige Augenärzte (GOP 06225) an, gefolgt vom 2013 eingeführten hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362). Ebenfalls mittelbar stationsersetzend wirken nach der Analyse die 2013 eingeführten Zuschläge für die fachärztliche Grundversorgung, darunter mit dem höchsten Leistungsbedarfsanstieg der Zuschlag für die gynäkologische Grundversorgung (GOP 08220). die Dialysepauschalen, die Zusatzpauschale Koloskopie, intraoculare oder dermatochirurgische Eingriffe sowie humangenetische Leistungen. Als generell vermeidbare Krankenhausfälle gelten darüber hinaus Herzinsuffizienz, Pneumonie, COPD oder Rückenbeschwerden.

Bei der Analyse zeigte sich, dass von 2011 bis 2013 die in Praxen erbrachten Leistungen – nach Berücksichtigung der demografischen Entwicklung – um 2,3 Prozent zugelegt haben. Gleichzeitig sanken die Belegungstage im Krankenhaus um 0,2 Prozent. Allerdings gibt es regional erhebliche Unterschiede: So ist laut Studie in einem Drittel aller Kreise der Trend hin zur ambulanten Versorgung deutlicher ausgeprägt, während in den restlichen Kreisen keine oder sogar gegenläufige Entwicklungen anzutreffen sind.

Der Wandel in der Versorgung – weg vom Krankenhaus, rein in die Praxen –, finde tatsächlich statt, kommentierte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen das Ergebnis. Leider hinke aber die Ressourcenverteilung dieser Entwicklung hinterher. Die Politik setze einseitig auf finanzielle Förderung der Krankenhäuser, so Gassen. Dabei gehe es der KBV nicht darum, sich mit dem stationären Sektor um die ohnehin viel zu begrenzten Mittel zu streiten, doch müsse das Geld dort eingesetzt werden, „wo es sinnvoll ist, und das ist nun einmal da, wo die Versorgung der Zukunft tatsächlich stattfindet.“ Doch bisher fehle den Kassen und KVen die rechtliche Grundlage, um bei den Vergütungsverhandlungen Maßnahmen zur Förderung des Strukturwandels zu vereinbaren.

Die komplette Mitteilung des Instituts unter:
http://www.zi.de/cms/presse/2017/26-juli-2017/

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