Medikation

Anwendung von Corticosteroiden: Risiko einer Chorioretinopathie

Die AkdÄ bittet darum, dass ihr beobachtete Nebenwirkungen und Medikationsfehler (auch Verdachtsfälle) mitgeteilt werden.

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Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informierte kürzlich über eine besondere Nebenwirkung von Corticosteroiden und beruft sich dabei auf die Britische Arzneimittelbehörde (MHRA). Diese warnt vor zentraler seröser Chorioretinopathie als seltenes Risiko bei lokaler und systemischer Anwendung von Corticosteroiden.

Die zentrale seröse Chorioretinopathie ist eine subretinale Flüssigkeitsansammlung am hinteren Pol des Auges mit seröser Abhebung der neurosensorischen Netzhaut bedingt durch Hyperpermeabilität der Aderhautgefäße. Typischerweise betrifft sie nur ein Auge und äußert sich durch Sehstörungen (z. B. verschwommenes / verzerrtes Sehen, zentrales Skotom, Mikropsie, Hyperopie, gestörtes Kontrastsehen). Neben anderen Risikofaktoren kann sie auch als Nebenwirkung einer Behandlung mit Corticosteroiden auftreten. Laut MHRA wurde eine zentrale seröse Chorioretinopathie bereits wenige Tage aber auch Jahre nach Beginn einer Behandlung mit Kortikosteroiden beobachtet. Dieses seltene Risiko könne bei systemischer sowie auch bei lokaler Behandlung mit Corticosteroiden auftreten. Patienten sollten darüber aufgeklärt und aufgefordert werden, über Sehstörungen während einer Behandlung mit Corticosteroiden zu berichten. Dann sollte die Überweisung zu einem Ophthalmologen erfolgen.

Im Zusammenhang mit einer Information zu budesonidhaltigen Arzneimitteln wies auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kürzlich darauf hin, dass verschwommenes Sehen und zentrale seröse Chorioretinopathie ein Problem der gesamten Arzneimittelgruppe der Corticosteroide darstellen.

Die AkdÄ bittet darum, dass ihr beobachtete Nebenwirkungen und Medikationsfehler (auch Verdachtsfälle) mitgeteilt werden. Die entsprechenden Formulare befinden sich auf der Webseite der AkdÄ: www.akdae.de


Die Corticosteroide

… sind eine Gruppe von ca. 50 in der Nebennierenrinde (NNR) gebildeten Steroidhormonen sowie chemisch vergleichbarer synthetischer Stoffe. Alle Corticosteroide entstehen dabei aus dem Ausgangsstoff Cholesterin. Gemeinsames Grundgerüst der Hormone ist das Progesteron. Die Corticosteroide lassen sich nach ihrer biologischen Wirkung bzw. ihrem Bildungsort in drei Gruppen einteilen:

  • Mineralocorticoide (Hauptvertreter Aldosteron) werden in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde gebildet und beeinflussen vorwiegend den Kalium-Natrium-Haushalt und damit den Wassergehalt des Körpers.
  • Glucocorticoide (Hauptvertreter Cortisol) werden in der Zona fasciculata der Nebennierenrinde gebildet. Sie vermitteln wichtige Wirkungen im Glucose-, Lipid- und Proteinstoffwechsel.
  • Androgene (Hauptvertreter Dehydroepiandrosteron (DHEA)) und Estrogene werden in der Zona reticularis der Nebennierenrinde gebildet.

Zu den natürlichen Glucocorticoiden gehören Cortison, Corticosteron und Cortisol; zu den Mineralocorticoiden das Aldosteron und das bereits 1935 von Reichstein isolierte Desoxycorticosteron. Synthetische Korticoide sind z.B. Prednison und Prednisolon, Methylprednisolon, Triamcinolon, Dexamethason, Betamethason und Paramethason.

Corticosteroide werden systemisch und lokal in verschiedenen Darreichungsformen bei einer Reihe unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt, wie z. B. bei allergischen Erkrankungen, Asthma, systemischen entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Ekzemen. In den 50 Jahren seit der ersten Anwendung von Corticosteroiden haben Ärzte viele Risiken und unerwünschte Wirkungen ausgemacht. Diese können mehr oder minder ausgeprägt je nach Medikament, Dosierung und Einnahmedauer auftreten.

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