Medikation

Arzneimittel-Verordnung nach Online-Konsultation bald nicht mehr möglich?

Ohne den vorausgehenden persönlichen Arztkontakt sollen Patienten künftig in deutschen Apotheken keine Rezepte mehr einlösen können.

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Q-Pharm hat EREQ® (Wirkstoff: Sildenafil) auch deshalb auf den Markt gebracht, um auf die Fehlentwicklungen bei der Verordnung und Abgabe von Sildenafil einwirken zu können. Schließlich geht es darum, eine Verbesserung der individuellen Lebensqualität von Patienten herbeizuführen. Um dieses Ziel zu erreichen, gilt der Grundsatz, dass ausschließlich das persönliche Beratungsgespräch des Arztes mit dem Patienten zum gewünschten Erfolg führen kann. Beim direkten Kontakt geht es z. B. um die individuelle Abklärung der Ursache einer erektilen Dysfunktion, wie die Antwort auf Fragen, ob körperliche oder psychische gesundheitliche Probleme den Ausschlag für die Störung geben. Nur mit einer entsprechenden Diagnose kann die ärztliche Verordnung und Dosierung im Sinne der AMTS abgesichert werden.

Modelle der Online-Konsultation mit unmittelbarer Medikamentenbelieferung, die das Face-to-Face-Beratungsgespräch zwischen Arzt und Patient außer Kraft setzen, sind dem Bundesgesundheitsministerium schon seit einiger Zeit ein Dorn im Auge. Der Ärzte-Zeitung (ÄZ) vom 02.12.2015 zufolge, könnten die bei Patienten per Internet eingeholten Diagnosen und das unmittelbar darauf erfolgende Ausstellen von Rezepten in Deutschland bald nicht mehr möglich sein. Ohne den vorausgehenden persönlichen Arztkontakt sollen Patienten künftig in deutschen Apotheken keine Rezepte mehr einlösen können. Um die Online-Konsultation mit unmittelbarer Medikamentenbelieferung zu verhindern, sei ein entsprechender Gesetzentwurf in Arbeit, hieß es.

Das Bundesgesundheitsministerium plant also, allein den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt zur Voraussetzung für die Rezepteinlösung in der Apotheke zu machen. Das soll durch eine Änderung in Paragraf 48 Arzneimittelgesetz erreicht werden. Wörtlich heißt es im Referentenentwurf des Vierten Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften: „Eine Abgabe von Arzneimitteln, die zur Anwendung bei Menschen bestimmt sind, auf eine Verschreibung darf nur erfolgen, wenn vor der ärztlichen oder zahnärztlichen Verschreibung ein persönlicher Kontakt zwischen dem Arzt oder Zahnarzt und der Person, für die das Arzneimittel verschrieben wird, stattgefunden hat“. Das gilt ausdrücklich nicht für Folgerezepte. Die genauen Ausführungsbestimmungen will das Bundesgesundheitsministerium später per Rechtsverordnung erlassen. Mit dem Reformvorhaben setzt die Bundesregierung ihre im Koalitionsvertrag vor zwei Jahren avisierte Absicht um, Online-Konsultationen unterbinden zu wollen.

Bekanntester deutschsprachiger Anbieter digitaler Sprechstunden ist der Londoner Dienst Dr. Ed. Der kostenpflichtige Service wurde 2011 gestartet und hatte in der Ärzteschaft und bei Apothekern Kritik hervorgerufen, so die ÄZ. Rechtsgrundlage des Dienstes ist die EU-Richtlinie „Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung“. Zwei Drittel der Rezepte, die von Dr. Ed in der Gründerphase ausgestellt wurden, betrafen die Indikation erektile Dysfunktion. Inzwischen haben sich laut ÄZ die Konsultationsgründe etwas geändert. Häufig würden auch Frauen mit dem Wunsch nach Kontrazeptiva-Verordnungen per Internet vorstellig. Auf der Website von Dr. Ed heißt es ausdrücklich, dass für Patienten mit akuten Erkrankungen, Schmerzen und in Notfällen sowie für Patienten, die unter 18 Jahre alt sind, das Forum ungeeignet sei. – Der Gründer und Geschäftsführer von Dr. Ed, David Meinertz, kündigte eine Stellungnahme zum Gesetzentwurf an. Komplett lahm legen ließe sich die Online-Verordnung nicht, so Meinertz gegenüber der ÄZ. Notfalls könne man zur Rezeptbelieferung auch mit ausländischen Versandapotheken kooperieren.

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