Medikation

Diabetische Retinopathie: regelmäßiges Screening

Bei Typ-2-Diabetes soll laut nationaler Versorgungsleitlinie bereits mit der Erstuntersuchung ein augenärztliches Screening stattfinden.

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Bis zu einem Drittel der Typ-2-Diabetiker hat bei Diagnosestellung eine milde Retinopathie (Netzhautablösung). Diese beeinträchtigt noch nicht die Sehstärke, doch ist das Retinopathie-Screening wichtig, damit die Therapie frühzeitig erfolgen kann. Bei Typ-2-Diabetes soll bereits mit der Erstuntersuchung ein augenärztliches Screening stattfinden, steht in der entsprechenden nationalen Versorgungsleitlinie. Die Koordination und das Erinnern der Patienten an die regelmäßigen augenärztlichen Untersuchungen ist laut Leitlinie die Aufgabe des Haus- oder spezialisierten Facharztes.

Demnach gilt das Screening für Patienten mit Typ-1-Diabetes ab dem elften Lebensjahr oder nach einer Diabetesdauer von fünf Jahren. Besteht keine diabetische Netzhautveränderung, wird ein Screening-Intervall von zwei Jahren empfohlen, es sei denn, das ophthalmologische oder allgemeine Risiko ist erhöht. Solche Risikokonstellationen sind zum Beispiel ein erhöhter HbA1c-Wert, Hypertonie oder eine diabetische Nephropathie. „Es ist gut belegt, dass das gleichzeitige Vorliegen einer diabetischen Nephropathie den Verlauf der Retinopathie ungünstig beeinflusst“, schreiben der Endokrinologe Professor Hans-Peter Hammes  (Mannheim) und der Augenarzt Privatdozent Klaus Lemmen (Düsseldorf) im Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2017*. Das sei vor allem der Fall, wenn eine renal bedingte Anämie oder ein therapierefraktärer Bluthochdruck hinzu komme. Auch Schwangerschaft oder männliches Geschlecht bei Typ-1-Diabetes seien Risikofaktoren.

Sind bereits Netzhautveränderungen eingetreten, müssten je nach Schweregrad mindestens alle sechs Monate sorgfältige Wiederholungsuntersuchungen stattfinden, so die beiden Fachärzte. Das Therapieziel besteht im Wesentlichen darin, Schlimmeres zu verhindern. Aus kardioprotektiven Gründen verordnete Acetylsalicylsäure erhöhe nicht das Risiko einer retinalen Blutung, könne also weiter eingenommen werden, habe aber auch keinen günstigen Einfluss auf den Verlauf der diabetischen Retinopathie. Die Experten weisen ferner darauf hin, dass eine rapide Blutzuckersenkung, wie sie mit neuen Therapeutika oder nach Übergewichts-Therapie auftreten kann, eine bestehende Retinopathie vorübergehend verschlechtern könne. Vor Intensivierung der Diabetestherapie sei daher die Funduskontrolle empfehlenswert. Spezielle augenärztliche Behandlungsoptionen sind, so die Autoren, die Laserkoagulation sowie bei Makulaödem mit Fovea-Beteiligung und Visuseinschränkung die intravitreale Medikamenteneingabe mit VEGF-Inhibitoren, wenn ein positiver Effekt auf die Sehfähigkeit zu erwarten sei.


*Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt, darunter etwa zwei Millionen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Pro Jahr entstehen durch Diabetes und seine Folgekrankheiten Kosten von rund 35 Milliarden Euro für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Denn ein schlecht eingestellter Blutzucker führt Jahr für Jahr zu Amputationen, Neuerblindungen, ein Leben mit Dialyse oder Herz- und Gefäßkomplikationen: Drei Viertel aller Menschen mit Diabetes sterben letztlich an Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der aktuelle Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2017 legt in seiner Bestandsaufnahme Fakten hierzu vor. Der jährliche Bericht beinhaltet die neuesten Zahlen und Entwicklungen zur Erkrankung und wurde in Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachexperten erstellt. Herausgeber sind die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Der Bericht umfasst rund 260 Seiten und ist auf der Internetseite der DDG kostenfrei als herunterladbare PDF-Datei über diese Website erhältlich: http://www.diabetesde.org/pressemitteilung/deutscher-gesundheitsbericht-diabetes-2017-erschienen


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