Medikation

Erhöhte Gefahr von Hüftfraktur – bei älteren Patienten SSRI eher meiden

Patienten mit Hüftfrakturen stehen doppelt so häufig unter dem Einfluss von Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI).

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Patienten mit Hüftfrakturen stehen doppelt so häufig unter dem Einfluss von Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) wie solche Menschen, die keine Stürze erleiden. Der Verdacht besteht, dass SSRI-Antidepressiva das Sturzrisiko erhöhen, ergab jetzt eine norwegische Studie von Fachleuten des Zentrums für Pharmakologie am Diakonhjemmet Hospital (Oslo).

Die Forscher hatten das Serum von 250 älteren Patienten – 65 Jahre aufwärts – mit Hüftfrakturen auf diverse psychotrope medikamentöse Wirkstoffe geprüft. Dem gegenüber werteten sie die Dateien nach Verschreibungen von psychotropen Arzneien bei rund 74.500 gleich alten Personen aus derselben Region aus, die keine Brüche erlitten hatten.

Die Untersuchung (Quelle: Bericht in British Journal of Clinical Pharmacology 2017) ergab, dass 10,4 Prozent der Patienten mit Hüftfrakturen einen SSRI im Blut hatten, aber es waren nur 5,6 Prozent der Patienten in der Vergleichsgruppe solche Medikamente verordnet worden. Daraus wurde geschlossen, dass das erhöhte Sturzrisiko bei der Einnahme von SSRI besteht. Prominente SSRI sind Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram und Escitalopram. Bei diesen Medikamenten sollte deshalb die Indikation regelmäßig kritisch überprüft und das Medikament wenn möglich wieder abgesetzt werden.

Die Experten fanden bei Einnahme von Diazepam hingegen lediglich eine 1,6-fach erhöhte Gefahr, eine Hüftfraktur zu erleiden. Diazepam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit relativ langer Halbwertszeit, der insbesondere als Psychopharmakon zur Behandlung von Angstzuständen, in der Therapie epileptischer Anfälle und als Schlafmittel angewendet wird. Da es bei einer Langzeittherapie mit Diazepam zur Abhängigkeit kommen kann, wird der Wirkstoff vorrangig in der Akuttherapie verwendet, das heißt nicht länger als vier bis sechs Wochen. Die Anwendung über längere Zeit darf nur unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung erfolgen. Diazepam wird übrigens von der WHO als weltweit notwendiges, unentbehrliches Medikament gelistet (Quelle: Wikipedia).

Für die verantwortungsvolle medikamentöse Therapie ist also in der Risikogruppe der älteren Patienten, falls die individuelle Indikation es zulässt, der Einsatz alternativer Psychopharmaka anstelle von SSRI zu empfehlen. So könnte, abgesehen von Diazepam, z. B. auch eine Verordnung von Zolpidem erfolgen. Dies ist ein Arzneistoff, der in modernen Schlafmitteln bzw. Einschlafmitteln eingesetzt wird und in den USA sowie in Europa das zurzeit meistverordnete Schlafmittel ist. In den Empfehlungslisten Priscus und FORTA wird für die Einnahme von Zolpidem darauf hingewiesen, dass die Tagesdosis bei älteren Patienten nicht über 5 mg hinausgehen sollte.

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