Medikation

„FORTA ist alltagstauglich und nützlich in der Praxis“

Die aktualisierte FORTA-Liste führt Arzneimittel auf, die für ältere Patienten untauglich oder nachweislich nützlich sind.

FORTA Universität Heidelberg

Das FORTA-Konzept, die abgestufte Kombination der Positiv- und Negativ-Liste an Arzneimitteln im Einsatz bei älteren Patienten, ist von Anfang an (2009) integrativer Bestandteil des SAmS-Projekts (heute SAMbA) der Ärztegenossenschaft Nord eG (ÄGN). Auch im Kittel-Taschenbuch „Geriatrie kompakt“, 2011 mit Hilfe von Q-Pharm herausgegeben, wurde FORTA berücksichtigt. Jetzt ist das FORTA-Konzept von seinem Entwicklerteam der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) erstmals aktualisiert und neu veröffentlicht worden.

Dr. Svante Gehring

Dr. Svante Gehring

Nach Auffassung von Dr. Svante Gehring, ÄGN-Vorstandsmitglied und Projektleiter SAmS/SAMbA, gehen die FORTA-Empfehlungen über die der PRISCUS-Liste hinaus, „erreichen aber noch nicht die breite Masse der Ärzte und meines Wissens auch noch nicht die wissenschaftliche Studiendichte der PRISCUS-Liste“. Dennoch bewertet AMTS-Experte Svante Gehring die wichtige Arbeit der Mannheimer als „sehr alltagstauglich und nützlich in der Praxis“.

Svante Gehring erinnert jedoch daran, dass die PRISCUS-Liste sowie das FORTA-Konzept „den schlechtesten Evidenzgrad für wissenschaftliche Ergebnisse haben“. Beide seien zunächst „nichts anderes als Expertenmeinung („best practice“) und kein Wissen, das durch Studienergebnisse erlangt wäre.“  Die Listen werden, so der Internist aus Norderstedt, aber nun in Studien überprüft. Die ersten Ergebnisse seien „teils ermutigend und teils ernüchternd“.

Die aktualisierte FORTA-Liste führt Arzneimittel auf, die für ältere Patienten untauglich sind, sie benennt aber auch die nachweislich nützlichen Substanzen. Nach Angaben der UMM ist das FORTA-Konzept in Deutschland entwickelt worden. Das Team betont, dass seine Arbeit „auf einem wissenschaftlichen Fundament medizinischen Wissens und Expertenerfahrungen bestehender Negativ-Listen und Klassifikationssysteme basiert.“ Die aktualisierte FORTA-Liste spiegle Verordnungstendenzen vorrangig in Deutschland und Österreich wider. Es sei Ziel, „dass das FORTA-Prinzip, das die diagnoseabhängige und evidenzbasierte Klassifikation von bestimmten Substanzen beinhaltet, letztendlich international Anwendung findet“.

Die UMM führt „zurzeit eine Studie in mehreren europäischen Ländern durch, die die Internationalisierung der FORTA-Liste beabsichtigt“. Die bereits existierenden FORTA-Klassifikationen könnten dann aufgrund neuer Forschungsergebnisse und wichtiger klinischer Erfahrungen nach den evidenzbasierten FORTA-Kategorien neu bewertet werden. FORTA sei inzwischen in einer randomisierten klinischen Studie (VALFORTA), die eine deutliche Verbesserung der Pharmakotherapie und der klinischen Parameter zeigen konnte, validiert worden. Die aktuelle FORTA-Liste enthält jetzt 273 an ältere Patienten besonders häufig verordnete Substanzen bzw. Substanzklassen für 29 Indikationsbereiche. Die Liste können Sie kostenfrei über die UMM-Seite aufrufen: www.umm.uni-heidelberg.de/ag/forta/

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