Medikation

Medikationsplan auf Papier nur ein Zwischenschritt

© Katarzyna Bialasiewicz – istockphoto.com

Es gibt Kritik an der mit dem E-Health-Gesetz geplanten Einführung eines zunächst nur in ausgedruckter Form schriftlichen Medikationsplans: Der Branchenverband der digitalen Wirtschaft (Bitkom) bezeichnete in einer Stellungnahme zur Anhörung im Bundestags-Gesundheitsausschuss den schriftlichen Medikationsplan als „technologischen Rückschritt“.

Doch sieht es so aus, dass die derzeitige Beschränkung der Erstellung und Aushändigung eines Medikationsplans in Papierform durch den Hausarzt faktisch nur ein Zwischenschritt auf dem Weg bis zur vollständigen Einführung der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen und der kompletten Umsetzung des E-Health-Gesetzes ist. Der Branchenverband bedauerte zudem, dass es keine verbindliche Zeitplanung zum Übergang auf den späteren elektronischen Medikationsplan gebe. Die derzeitige Praxis in Papierform reiche nicht aus, um einen wirksamen Schutz des Patienten vor unerwünschten Wechselwirkungen zu erreichen, so Bitkom. Da Patienten vielfach durch Fachärzte weitere Medikamente verschrieben bekommen würden, müssten jetzt schon alle an der Versorgung teilnehmenden Leistungserbringer die Möglichkeit haben, den Medikationsplan elektronisch zu aktualisieren.

Bitkom: „Der Patient darf nicht mit der Verantwortung allein gelassen werden, dem Hausarzt die neuen Arzneimittel zu nennen, die er von anderen Ärzten verschrieben bekommen hat. Dies umso mehr, als es sich vielfach um ältere und multimorbide Patienten handelt.“ Als weiteren Kritikpunkt führt Bitkom aus, dass die Ausgabe des Medikationsplans in Papierform dem 2012 neu geregelten bürgerlich-rechtlichen Behandlungsvertrag nach § 630 des Bürgerlichen Gesetzbuchs widerspreche. Danach könne der Patient auch elektronische Abschriften von seiner Patientenakte verlangen. Der Anspruch auf elektronische Abschrift der Patientenakte umfasse den Medikationsplan als Teilmenge der kompletten Patientenakte.

Nach dem jüngsten Stand des E-Health-Gesetzentwurfs spielen beim Medikationsplan die Apotheken und Krankenhäuser nur die zweite Geige, da Haus- und Fachärzten zunächst die Hauptrolle zugeschrieben worden ist. Jüngst forderte deshalb auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine zwingende Einbeziehung der Kliniken. Im Rahmen der Entlassung des Patienten müsse es Krankenhäusern und Kliniken künftig möglich sein, ebenfalls Medikationspläne ausstellen oder aktualisieren zu können. Das sei insbesondere bei Patienten sinnvoll, die vom Krankenhaus ein Entlassrezept erhielten. Umso unverständlicher sei daher die im Entwurf enthaltene Vorgabe, lediglich die informationstechnischen Systeme im vertragsärztlichen Bereich auf den Medikationsplan anzupassen. Die DKG: Um die sektorenübergreifende Anwendung des Medikationsplans zu gewährleisten, ist der Krankenhaussektor „zwingend an der Ausgestaltung des Medikationsplans zu beteiligen“.

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