Medikation

Non-Compliance kann Therapie unwirksam machen

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Meist ist innerhalb der Medikationspraxis der Grund für mangelnde Therapietreue beim Patienten zu finden: Viele von ihnen sind mit der Einnahme ihrer Medikamente einfach überfordert, vor allem dann, wenn sie diese mehrfach und mehrmals täglich benötigen. Neben dieser Polypharmazie sind die Ursachen für Non-Compliance auch systembedingt, wie das bekannte Auswechseln von Medikamenten aufgrund von Rabattverträgen.

Non-Compliance kann jedenfalls das Therapieergebnis bis hin zur Unwirksamkeit beeinflussen. Dies zeigte – laut „Pharmazeutische Zeitung online“ – eine Studie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Neben Candesartan beziehungsweise Placebo erhielten die Patienten Diuretika, Betablocker und herzwirksame Glykoside. Die Compliance wurde mit Hilfe des Tablettenzählens ermittelt. Patienten wurden nur dann als compliant eingestuft, wenn sie mehr als 80 Prozent ihrer Tabletten korrekt einnahmen. Bei vielen Langzeitbehandlungen wurden Compliance-Raten zwischen lediglich 40 und 50 Prozent ermittelt. Vor allem Patienten mit Atemwegserkrankungen, Diabetes mellitus und Schlafstörungen halten sich oft nicht an ihre Medikation.

Die Folgen mangelnder Therapietreue werden in der Praxis häufig unterschätzt. Eine Non-Compliance von weniger als 80 Prozent sei, so die Studie, mit einem signifikant erhöhten Sterberisiko verbunden. Abgesehen vom Wirkungsverfall der Medikamente ist Non-Compliance im Zusammenhang mit häufigeren Arztbesuchen, längeren Behandlungszeiten und Krankenhausaufenthalten sowie Produktivitätsverlusten zu sehen. Das alles belastet das Gesundheitssystem erheblich. Schätzungen sprechen von bis zu zehn Milliarden Euro jährlich.

Zeitliche Einnahmemuster lassen Rückschlüsse auf Nichteinhaltung der Vorschriften für die Medikamenteneinnahme zu:

  • Der Patient nimmt das Arzneimittel zunächst gemäß Therapieschema und setzt es dann, beispielsweise nach einer unerwünschten Arzneimittelwirkung, bewusst vorzeitig ab.
  • Über den gesamten Einnahmezeitraum lässt der Patient zufällig ohne erkennbares Muster Einnahmen aus.
  • In der Anfangsphase der Therapie nimmt der Patient das Arzneimittel unregelmäßig ein. Einige Tage vor einem Arztbesuch verhält sich der Patient dann korrekt.
  • Vor einem Arztbesuch vernichtet der Patient die Arzneimittel, die er einnehmen sollte.
  • Die Einnahme erfolgt zunächst wie verordnet, wird dann aber für zwei oder mehr Tage ausgesetzt. Nach der Pause nimmt der Patient die Dosen wieder regelmäßig ein. Dies ist häufig am Wochenende oder im Urlaub zu beobachten, denn in diesen Situationen vergessen die Patienten die Einnahme oder haben die Arzneimittel gar nicht dabei. Grund für einen Auslassversuch kann auch sein, wenn der Patient zum Beispiel keine Symptome mehr verspürt und so den Therapieeffekt bewusst prüft.

Was hilft gegen mangelnde Compliance, wie gegensteuern?

Grundsätzlich erhöhen das Vertrauen und eine gute Kommunikation zwischen Heilberufler und Patient die Erfolgsaussichten einer medikamentösen Therapie. Wichtig ist zudem ein reibungsloser Kontakt zwischen den Heilberufen. Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte müssen gemeinsam mit dem Patienten an dessen Compliance arbeiten.

Je nach Muster und Ursachen der Non-Compliance sind unterschiedliche Maßnahmen hilfreich, um eine ausreichende Therapietreue zu erzielen und dauerhaft zu gewährleisten. Vier Gruppen von Maßnahmen stehen zur Verfügung:

  • Eine ausführliche Beratung durch den Arzt und den Apotheker bis hin zur Schulung über die Therapie und die zugrunde liegende Erkrankung. Viele Patienten halten sich leichter an ihre Therapie, wenn sie deren Nutzen für ihr Leben besser verstehen.
  • Die Verknüpfung der Arzneimitteleinnahme mit täglichen Routinehandlungen, das Anbringen von Erinnerungskarten an markanten Orten oder die Verwendung von Weckern. Auch Erinnerungen durch Verwandte oder Freunde oder spezielle Dosetten können hilfreich sein. Diese Maßnahmen helfen vor allem, wenn Patienten ihre Medikamente einfach vergessen.
  • Eine regelmäßige Überprüfung des Therapieergebnisses; z.B. regelmäßiges Blutdruckmessen und die Dokumentation in einem Patiententagebuch. Das kann den Bluthochdruck-Patienten motivieren, seine Medikation wie verordnet anzuwenden.
  • Die Vereinfachung des Therapieregimes – z. B. durch Verordnung/Anwendung von Retard- oder Kombinationspräparaten.

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