Medikation

SAmS erreicht sein Ziel – ein angepasster Medikationsplan

In den Algorithmus eingeflossen sind Erfahrungen aus jahrelanger Qualitätszirkelarbeit und Ergebnisse von wiederholten semistrukturierten Literaturrecherchen.

© Katarzyna Bialasiewicz – istockphoto.com

Im Rahmen des Projekts „Strukturierte Arzneimitteltherapie für multimorbide Senioren (SAmS)“ wurde von Ärzten aus Norddeutschland ein strukturiertes Vorgehen zum Thema Polypharmazie und Arzneimittelsicherheit entwickelt (u. a. eine sogenannte SAmS-PIM-Liste mit potentiell inadäquater Medikation, die die PRISCUS-Liste berücksichtigt). Das vor fast zehn Jahren entwickelte SAmS-Projekt beruht ursprünglich auf einer fördernden AMTS-Initiative von O-Pharm. Nun wurden im Juni-Heft 2017 der Zeitschrift für Allgemeinmedizin die mit dem Projekt gesammelten Erfahrungen veröffentlicht.

Hintergrund: Patienten, die aufgrund Ihrer multiplen Erkrankungen mehr als fünf Wirkstoffe einnehmen, sind täglich in der hausärztlichen Praxis anzutreffen. Neben den Empfehlungen der Leitlinie Multimedikation existierten bisher keine Empfehlungen für diese Patientengruppe. Norddeutsche Ärzte haben daher zwischen 2008 und 2014 in einem Bottom-up-Ansatz einen Algorithmus für den sicheren Umgang mit Polypharmazie bei multimorbiden Patienten entwickelt und durch ein Pilotprojekt auf Machbarkeit überprüft. Ziel des Algorithmus war, den Medikationsplan alters- und risikoadaptiert sowie krankheitsgerecht in Dosierung und Art der Medikation anzupassen.

Methoden: In den Algorithmus eingeflossen sind Erfahrungen aus jahrelanger Qualitätszirkelarbeit und Ergebnisse von wiederholten semistrukturierten Literaturrecherchen. Inhaltlich werden geriatrische und prognostische Aspekte sowie das Überprüfen der Indikation der Medikation und der Umgang mit potenziell inadäquater Medikation abgedeckt. Um den Einfluss saisonaler Faktoren zu minimieren, wurden begleitend die Verordnungsdaten von Barmer-GEK-Patienten des jeweils zweiten Quartals der Jahre 2012 (vor Beginn) bis 2014 (Ende des Projekts) ausgewertet.

Ergebnisse: 92 polypharmazierte Patienten aus 11 Praxen nahmen an dem Pilotprojekt teil. Die Patienten hatten nach ICD10 durchschnittlich 15 Diagnosen (Minimum 2, Maximum 44), das durchschnittliche Alter lag bei 76 Jahren, 57 % waren weiblich. 2012 wurden durchschnittlich 6,59 Wirkstoffe als Dauermedikation verordnet, 2014 waren es 4,02.

Schlussfolgerungen: Der Algorithmus war anwendbar. Inwieweit die beobachtete Reduktion der verordneten Medikamente auf diesen Algorithmus zurückzuführen ist, sollte noch in einem kontrollierten Design überprüft werden.

Weitere Informationen zum Projekt SAmS können in der „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“ über diese Adresse bezogen werden:
https://aegnord.de/arzneimitteltherapie-fuer-multimorbide-senioren-ergebnisse-des-pilotprojektes-liegen-vor/

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