Medikation

Studie zu Angina pectoris: Medikamentöse Therapie oft unzureichend

Autoren fordern Strategien, die das Bewusstsein für die Folgen anhaltender Angina pectoris-Beschwerden stärken und das Management der Patienten verbessern.

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Bei Patienten mit Angina pectoris werden die verfügbaren medikamentösen Therapien offenbar nicht ausgeschöpft. Das hat eine Studie von medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaftlern unter Leitung von Prof. Alexander Fanaroff von der Duke Universität in Durham (North Carolina/USA) ergeben. Das deutsche Fachportal www.kardiologie.org berichtete jüngst darüber. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in der Praxis viele Ärzte die Leitlinienempfehlungen nicht befolgen“, heißt es in der Veröffentlichung. Vermutlich sei „das häufige Ausbleiben der Therapieeskalation schuld daran, dass bei so vielen Patienten die Beschwerden persistierten“.

Die US-Studie nennt einen Grund für die oft unzureichende medikamentöse Therapie: Die behandelnden Ärzte müssten die Beschwerden ihrer Patienten erst mal richtig erkennen und einschätzen, führen die Wissenschaftler an. Daran fehle es „recht häufig“ in der Praxis. Zudem könne es sein, dass einige Ärzte den Nutzen antianginöser Substanzen nicht anerkennen. Immerhin habe sich bisher für keine Substanz – mit Ausnahme von Betablockern – belegen lassen, dass sie die kardiovaskulär bedingte Mortalität bei Herzinfarktpatienten senken kann, auch wenn die Beschwerden der Patienten unter einer solchen Medikation nachweislich nachlassen und die Belastbarkeit ansteigt.

Nach Ansicht der Studienautoren seien effektive Strategien erforderlich, die das Bewusstsein für die Folgen anhaltender Angina pectoris-Beschwerden stärken und das Management der Patienten verbessern. Denn nach Feststellung der Forscher leiden viele Herzinfarktpatienten selbst nach einer perkutanen Intervention (PCI) weiter an Angina pectoris-Beschwerden. Die für solche Fälle zur Verfügung stehenden Substanzen werden in der Praxis allerdings häufig nicht eingesetzt, ergab eine Analyse der Beobachtungsstudie TRANSLATE-ACS mit 10.870 Teilnehmern.

Etwa ein Drittel der wegen eines Herzinfarktes mit einer PCI behandelten Patienten (29,3 Prozent) litt sechs Wochen nach dem Ereignis weiterhin an Beschwerden. Von diesen Patienten erhielten zu diesem Zeitpunkt gerade einmal knapp ein Viertel (23,3 Prozent) neben einen Betablocker noch eine weitere antianginöse Substanz. Dabei wird in den aktuellen Leitlinien empfohlen, bei Angina-Patienten, die trotz eines Betablockers symptomatisch bleiben, eine weitere antianginöse Substanz (Kalziumantagonist [Klasse IA], langwirksame Nitrate, Ivabradin, Nicorandil oder Ranolazin [Klasse IIA]) hinzuzunehmen.

Einen Betablocker erhielten laut Analyse zwar fast alle Patienten (92 Prozent nach sechs Wochen); doch für eine stufenweise Therapieeskalation entschieden sich selbst bei über einem Jahr anhaltenden Beschwerden offenbar nur wenige Ärzte. Nach einem Jahr waren noch immer 33,3 Prozent der Patienten symptomatisch. Fast zwei Drittel von ihnen bekam trotzdem nur einen Betablocker (68,8 Prozent). Selbst dann, wenn bei den Patienten aufgrund von Beschwerden eine erneute koronare Revaskularisation nötig war, sind vorher die medikamentösen Therapiemöglichkeiten oftmals nicht ausgeschöpft worden; bei weniger als einem Drittel (25,9 Prozent) dieser Patienten hatte man sich für die Gabe einer weiteren antianginösen Substanz entschieden.

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