Praxisalltag newsletter-praxisalltag

„Arbeitszeit-Gesetz“? – ÄG Nord nimmt Stellung

Bei wöchentlichen Arbeitszeiten von über 50 Stunden in vielen Praxen wäre eine solche gesetzliche Vorgabe absurd.

Eigenes Archiv

Wir stehen vor einer neuen Regierungsbildung, seit den Wahlen im September 2017 wurden Koalitionen sondiert, jede Partei hat den Wunsch eigener Profilierung. Die Gesundheitspolitik ist zu einem bedeutenden Thema geworden, nach dem Koalitionsvertrag ist mit neuen Sozialgesetzen zu rechnen.

Für das Gesundheitswesen finden sich meist Absichtserklärungen, Kommissionen werden sich mit Themen wie Honorarangleichung oder Bedarfsplanung befassen müssen. Aber auch Absichten weisen auf die Denke in den sozialpolitischen Verhandlungsgremien hin. Mehr staatlicher Einfluss auf Selbstverwaltungsorgane ist zu erwarten, die Freiberuflichkeit verliert weiterhin an Bedeutung.

Exemplarisch ist der Vorschlag, Praxisinhabern vorzuschreiben ihre Öffnungszeiten von mindestens 20 Wochenstunden auf 25 Stunden zu erhöhen. Diese Augenwischerei soll die vielkritisierten Wartezeiten für GKV-Versicherte verkürzen! Bei wöchentlichen Arbeitszeiten von über 50 Stunden in vielen Praxen wäre eine solche gesetzliche Vorgabe absurd. Öffnungszeiten sind auch nicht identisch mit Arbeitszeit und Patientenversorgung.

Das Problem der Wartezeiten lässt sich eher lösen, wenn die wirklichen Ursachen angegangen werden. Insbesondere die bestehende Budgetierung beschneidet Arbeitsbereitschaft, ebenso die oft unsachgemäße Pauschalierung, sowohl für Haus- als auch Facharztpraxen. Das Honorarsparsystem ist die Bremse für die Leistungsfähigkeit in der ambulanten Versorgung der GKV-Versicherten.

Dr. Klara Fall, Allgemeinärztin: Mir scheint, die Politik sieht uns Ärzte nicht mehr als Leistungserbringer, sondern nur noch als Erfüllungsgehilfen. So fällt es leichter, Probleme zu übertragen anstatt sie zu lösen.

Dr. Klara Fall, Allgemeinärztin

Hinterlassen Sie einen Kommentar