Praxisalltag

Arztfehler: Mitgefühl bedeutet nicht Anerkenntnis

Auch sich beim Patienten zu entschuldigen, bedeutet nicht, den ärztlichen Versicherungsschutz zu verlieren.

© Sneksy – istockphoto.com

Bei einem Behandlungsfehler sollten der Arzt oder die Ärztin gegenüber dem Patienten ein Bedauern und Mitgefühl ausdrücken. Diese Haltung ist im rechtlichen Sinne nicht gleichzusetzen mit der Anerkenntnis von schuldhaftem Handeln. Auch sich beim Patienten zu entschuldigen, bedeutet nicht, den ärztlichen Versicherungsschutz zu verlieren. Das sagte der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Hardy Müller, in einem Interview mit der Ärzte Zeitung online (25. Oktober 2017).

Nach Angaben Müllers sind Ärzte dazu verpflichtet, ihre Patienten aufzuklären, wenn durch einen Zwischenfall eine Folgebehandlung nötig ist. Sie müssen den Grund für die erneute medizinische Maßnahme erläutern und über die erforderliche Therapie aufklären. Ärzte sollten über das, was geschehen ist, informieren und auch darüber, wie es dazu kommen konnte. Wenn jedoch keine Folgebehandlung nötig ist, müssen Ärzte nur dann informieren, wenn der betroffene Patient nachfragt, so der APS-Sprecher.

Eine Anerkenntnis, so Hardy Müller, liege nur dann vor, wenn der Behandler die Schuld für den Fehler explizit auf sich bezieht und signalisiert, dass er für entstehende Kosten aufkommt. Diese Anerkenntnis führe jedoch „nicht automatisch zum Verlust der Versicherung“, sagte er. Auch könne es sein, „dass die Versicherung in den Vorwürfen des Patienten keinen Haftungsfall sieht, beispielsweise dann, wenn der Behandlungsfehler nicht ursächlich für den Schaden ist“, hieß es in dem Interview. Es sei Medizinern zu empfehlen, in Fehlerfällen zuerst mit der Versicherung zu sprechen.

Die APS-Broschüre „Reden ist Gold. Kommunikation nach einem Zwischenfall“ kann unter www.aps-ev.de heruntergeladen werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar