Praxisalltag

Beim „Igeln“ die Patienten sachlich und unaufdringlich informieren!

Grundsätzlich dürfen Vertragsärzte alle Leistungen, die nicht Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung sind, privat liquidieren.

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Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind Gesundheitsangebote, die nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, die eine Kasse also nicht zahlen muss (Selbstzahlerangebote). Hierzu zählen Leistungen, die per Gesetz nicht zu den Aufgaben der GKV gehören, wie Atteste und Reiseimpfungen. Der weitaus größere Teil der IGeL sind medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie von Krankheiten, und zwar solche, die nicht belegen können oder nicht gezeigt haben, dass sie laut Sozialgesetzgebung „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“. So erklärt es der IGeL-Monitor*, der er sich zur eigenen Aufgabe gemacht hat, individuelle Gesundheitsleistungen auf den Prüfstand zu stellen.

Grundsätzlich dürfen Vertragsärzte alle Leistungen, die nicht Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung sind, privat liquidieren. Das sind dann in der Regel die IGeL. Prinzipiell entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) darüber, was eine IGeL sein kann, indem er festlegt, welche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen müssen. Andererseits stellt der GBA fest, was als Kassenleistung abzulehnen ist. Solche medizinische Leistungen werden meist als IGeL angeboten. Viele Ärzte informieren über solche IGeL, z. B. im Internetauftritt ihrer Praxis, über ihre MFA, durch Prospekte, Aufsteller und das Wartezimmer-Fernsehen sowie im persönlichen Gespräch mit den Patienten.

Einheitliche Empfehlungen zur Frage, ob der Arzt seine Patienten unaufgefordert eine IGeL anbieten darf, bestehen jedoch nicht. Die KVen jedenfalls halten es für legitim, wenn der Arzt den Patienten auf IGeL anspricht. Die KV Nordrhein schreibt z. B. in einer Patienteninfo (2009): „Ihr Arzt darf Sie in sachlicher und unaufdringlicher Weise über diese Wunschleistungen informieren, Sie jedoch nicht zur Inanspruchnahme drängen.“ Er sollte dabei keine ungerechtfertigten Erwartungen schüren und nicht den Eindruck erwecken, dass die Leistung erfolgreich, ungefährlich und wissenschaftlich erprobt ist, wenn er dies nicht beweisen kann.“

Das sogenannte IGeL-Verhalten von Ärzten, so die IGeL-Monitor-Plattform, gestaltet sich jedenfalls recht unterschiedlich: Während die wenigsten so intensiv igeln, dass auch die Ärzteverbände von „schwarzen Schafen“ sprechen, spielen IGeL für die meisten Ärzte nur eine untergeordnete Rolle. Einige wenige nur bieten IGeL an, bewerben diese Angebote aber nicht aktiv. Manche Ärzte betonen auf ihren Homepages sogar explizit, dass sie grundsätzlich keine IGeL anbieten. Doch ganz ohne Selbstzahlerleistungen im Feld der GKV kommen auch diese Ärzte nicht aus, denn sie erbringen z. B. Reiseimpfungen, Atteste und andere Leistungen, die von Menschen nachgefragt werden, aber keine Kassenleistung sind.

Wie viele Angebote an IGeL es gibt, das kann nur grob geschätzt werden; es sind jedenfalls mehrere hundert, ermittelte der IGeL-Monitor. Das Erfassen ist deshalb schwierig, weil einzelne IGeL sich beliebig unterteilen. So können z. B. mehrere Blutuntersuchungen als IGeL-Paket oder einzeln angeboten werden. Zudem ist der IGeL-Markt nicht konstant, denn ständig kommen neue Angebote hinzu, andere wiederum geraten in Vergessenheit, weil sich kein Bedarf zeigte. Das Wissenschaftliche Institut der AOK stellte in einer Studie von 2015 fest, dass die häufigsten Leistungsgruppen im IGeL-Markt Ultraschalluntersuchungen, Glaukom-Früherkennung, Medikamente bzw. Heil- und Hilfsmittel, Blutuntersuchungen und Laborleistungen, ergänzende Krebsfrüherkennung bei Frauen, Bestimmung des PSA-Wertes zur Prostatakrebs-Früherkennung sowie kosmetische Leistungen sind.

Für privat versicherte Patienten, die generell als Selbstzahler zu sehen sind, ist IGeL kaum erkennbar. Denn je nach ihrer Kasse und individuellen Vertragslage werden oft auch solche Leistungen erstattet, die im GKV-Bereich nicht gedeckt sind und unter IGeL fallen. Es empfiehlt sich aber, dass der Arzt vorher den Privatpatienten darauf hinweist und dieser bei seiner Krankenkasse nachfragt. In beiden Fällen, gesetzlich und privat, ist es wichtig, dem Patienten die Kosten für IGeL bzw. die besondere Leistung zu nennen, nötigenfalls bzw. auf Wunsch auch schriftlich.

*Initiator und Auftraggeber des IGeL-Monitors ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). Für den IGeL-Monitor ist ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Evidenzbasierte Medizin und Öffentlichkeitsarbeit des MDS zuständig. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin. Inhaltlich unterstützt wird das Projekt außerdem durch externe Wissenschaftler. Finanziert wird der MDS vom GKV-Spitzenverband.

Eine Übersicht zu den bisherigen Bewertungen durch den IGeL-Monitor finden Sie unter http://www.igel-monitor.de oder hier in der Übersicht:
https://www.igel-monitor.de/fileadmin/Downloads/Presse/2017_02_16_PK_Fuenf_Jahre_IGeL_Monitor/17_02_16_PK_5_Jahre_IGeL-Monitor_IGeL_A-Z_Uebersicht.pdf

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