Praxisalltag

Noch kein Plan im Umgang mit dem Medikationsplan

Dreh- und Angelpunkt sind laut Gesetzesvorlage die Vertragsärzte

© SeanPrior – clipdealer.de

Einer der Bausteine im neuen E-Health-Gesetz (Entwurf) ist der Medikationsplan. Zur Verbesserung der AMTS wird vorgeschrieben, dass Patienten, die mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, einen einheitlichen Medikationsplan in Papierform erhalten. Ärzte, die diesen erstellen und aktualisieren, wird diese Arbeit vergütet. Zur besseren Aktualisierbarkeit ist zusätzlich ein elektronischer Medikationsplan vorgesehen.

Für den geplanten Medikationsplan fordert die KBV verbindliche Standards. Sie hält eine verbindliche Zertifizierung der Praxissoftware-Häuser für eine entsprechende Anwendung innerhalb ihrer Systeme für notwendig. Und der Anspruch der Patienten auf den Medikationsplan sollte erst ab fünf verordneten Arzneien gelten, meint die KBV. Denn es werde in der Regel erst dann kritisch, wenn die Patienten fünf Wirkstoffe oder mehr einnehmen müssten.

Der Bundesrat hat am 10. Juli im Beschluss über das E-Health-Gesetz empfohlen, dass der Medikationsplan nicht nur von Ärzten, sondern auch von Apothekern erstellt und aktualisiert werden kann. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hält diese Empfehlung für wichtig: Ein lückenloser und damit brauchbarer Medikationsplan könnten die Ärzte nur in Zusammenarbeit mit den Apotheken aufstellen. Die Stammapotheke des Patienten sei oft die einzige Stelle im Gesundheitswesen, die einen Überblick über seine rezeptfreie Selbstmedikation habe, hieß es. Diese müsse definitiv mit in den Plan. Die ABDA meinte, der Bundestag täte gut daran, der Empfehlung der Länderkammer beim weiteren parlamentarischen Verfahren zum E-Health-Gesetz zu folgen.

Dreh- und Angelpunkt des Medikationsplans sind laut Gesetzesvorlage bisher die Vertragsärzte. Im Gesetzentwurf heißt es, dass Inhalt, Struktur und Vorgaben des Medikationsplans sowie ein Verfahren zu seiner Fortschreibung zwischen KBV, BÄK und ABDA zu vereinbaren sei. Zweifelsfrei sind die Kompetenz und Mitwirkung der Apothekerschaft im Bereich von AMTS und Medikationsplan bereits seit längerem anerkannt, indem das Bundesgesundheitsministerium ein Modellprojekt der ABDA zum heilberufsübergreifenden Medikationsplan (PRIMA) fördert.

Vorreiter beim bundesweiten Medikationsplan ist Rheinland-Pfalz. Dort wurde Anfang März das Pilotprojekt „Vernetzte Arzneimitteltherapie mit dem elektronischen Medikationsplan“ gestartet. Rund 600 beteiligte Patienten erhalten nach dem Klinikaufenthalt ihren digital erfassten Medikationsplan, der von behandelnden niedergelassenen Ärzten und Apotheken elektronisch aktualisiert wird. Ziel: Unerwünschte Wirkungen, Doppelverordnungen oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln sollen vermieden werden.

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