Praxisalltag

Heimversorgung: Neue EBM-Ziffern

Der EBM ist zum 1. Juli 2016 um zwei Kapitel erweitert worden, mit denen insbesondere die Pflegeheimversorgung gestärkt werden soll.

© KBV

Niedergelassenen Haus- und Fachärzte, die Patienten in Alten- und Pflegeheimen versorgen, stehen mit EBM-Kapitel 37 (Kooperations- und Koordinationsleistungen in Pflegeheimen) und Kapitel 38 (delegationsfähige Leistungen) neue Abrechnungsziffern zur Verfügung.

Das neue EBM-Kapitel 37 honoriert mittels vier Zuschlägen und einer Ziffer für Fallkonferenzen die haus- und fachärztliche Versorgungstätigkeit für Patienten in Pflegeheimen. Wichtig: Diese Vergütung erfolgt zunächst extrabudgetär. Kapitel 38 erweitert die Abrechenbarkeit von Einsätzen speziell weitergebildeter Nichtärztlicher Praxis-Assistenten (NäPA) für Fachärzte, wenn deren Assistentinnen Heimbewohner aufsuchen.

Die Neuerungen zusätzlicher Gebührenordnungspositionen hatte der Bewertungsausschuss Ende Juni beschlossen. Ziel ist es, die Betreuung der Patienten in Pflegeheimen durch eine verbesserte Vernetzung und Kooperation der betreuenden Ärzte und Pflegekräfte zu optimieren. Die Vergütungen seien „ein Einstieg, um die haus- und fachärztliche Betreuung von Patienten in Alten- und Pflegeheimen langfristig zu verbessern“, so KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Im Hinblick auf die zunehmende Zahl älterer Menschen sagte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann, sie sei froh, dass sich die KBV mit den Krankenkassen einigen konnte. Jetzt müssten weitere Maßnahmen folgen.

Die neuen Leistungen des Kapitels 37 können von Ärzten abgerechnet werden, die mit Heimen spezielle Kooperationsverträge abgeschlossen haben. Damit wird der erhöhte Aufwand der Ärzte im Kooperationsvertrag honoriert, unter anderem für die Koordination von diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen sowie der pflegerischen Versorgung, die Kooperation mit weiteren Ärzten und einbezogenen Pflegefachkräften, den Besuch des Patienten und die patientenorientierten Fallkonferenzen.

Die Förderung der kooperativen und koordinierten Versorgung in Pflegeheimen hat der Gesetzgeber mit dem Hospiz- und Palliativgesetz vorgegeben. Sie ist beschränkt auf Kooperationsverträge nach Paragraf 119b Abs. 2 SGB V, die den Anforderungen der Anlage 27 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte entsprechen. Bislang wurden Maßnahmen für eine bessere Vernetzung und Kommunikation aller Beteiligten in der Regel nicht zusätzlich honoriert. Dies ist jetzt mit dem Beschluss des Bewertungsausschusses möglich.

Zur Stärkung der Heimversorgung trägt außerdem bei, dass neben den Hausärzten künftig auch im fachärztlichen Bereich tätige Vertragsärzte für die Delegation von Leistungen an qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten eine zusätzliche Honorierung erhalten. Bislang erfolgte eine Förderung von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten nur im hausärztlichen Bereich. Das neue EBM-Kapitel 38 für delegationsfähige Leistungen enthält auch die bisherigen Kostenpauschalen 40240 und 40260 für ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitern (neu: GOP 38100 und 38105), für die es nun eine höhere Bewertung gibt.

Die KBV konnte zudem erreichen, dass die Regelung zur Förderung nichtärztlicher Praxisassistenten im fachärztlichen Bereich auch für Haus- und Kinderarztpraxen gilt. Damit können kleinere Hausarztpraxen von der Förderung profitieren, die bislang aufgrund ihrer Fallzahl keine Genehmigung für einen Assistenten erhalten konnten.

Weiterführende Informationen zu den Änderungen des EBM gibt zum Beispiel die KV Hessen:
https://www.kvhessen.de/fuer-unsere-mitglieder/abrechnung-und-honorar/alles-fuer-ihre-abrechnung/ebm-aenderungen-und-beschluesse-01072016/

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