Praxisalltag

Höhere Therapiesicherheit: Abkürzungen am besten vermeiden!

Missverstandene oder missverständliche Abkürzungen können im Versorgungsalltag in Praxis und Klinik zu fatalen Folgen für Patienten führen.

© sudok1 – Fotolia.de

Auf Abkürzungen von Fachbegriffen sollte in sensiblen medizinischen Bereichen, vor allem bei der Medikation, möglichst verzichtet werden, um oft gravierende Folgen für den Patienten zu vermeiden. Das empfiehlt „CIRSmedical.de“, das Online-Berichts- und Lernsystem der deutschen Ärzteschaft für kritische Ereignisse in der Medizin.

Ganz wichtig sei, dass in der mündlichen Kommunikation die beteiligten Personen die jeweiligen Anordnungen wiederholen sollten, bevor das entsprechende Medikament oder die Substanz geordert bzw. verabreicht wird, so das Plädoyer der Experten. Auch sollten in Patientenakten auf Abkürzungen möglichst verzichtet werden, heißt es weiter. Für unbedingt notwendige Abkürzungen sei es ratsam, eine einheitliche, allen Mitarbeitern bekannte und verbindliche Liste zu erstellen.

Missverstandene oder missverständliche Abkürzungen können im Versorgungsalltag in Praxis und Klinik zu fatalen Folgen für Patienten führen. So hat das „Sicherheits-Netzwerk“ laut KBV jüngst zwei Fälle analysiert, in denen die Patienten nur knapp einem Schaden entgangen sind. Im ersten Fall sei im OP einer Klinik ein Medikament verwechselt worden. Die Schwester sollte „Suggi“ (Sugammadex) beschaffen, habe aber „Succi“ (Succinylcholin) verstanden. Der Irrtum sei aufgefallen, da sich die Oberärztin darüber gewundert habe, dass die Ampulle eine andere Größe hatte als erwartet – nur 100 statt 200 Milligramm. Sie habe nachgeschaut und den Irrtum noch rechtzeitig entdeckt. In einem anderen Fall wurde in einer Patientenakte die Abkürzung „HWI“ zunächst statt als Hinterwandinfarkt der Harnwegsinfekt verstanden. Erst als eine Mitarbeiterin in der Akte näher nachschaute, fand sie die richtige Diagnose.

Zurzeit nehmen 400 Arztpraxen an dem vom Innovationsfonds geförderten dreijährigen CIRSmedical-Projekt zur Fortentwicklung von Fehlerberichts- und Lernsystemen für die ambulante Versorgung teil. Die Untersuchung soll zu einem implementierungsreifen System (CIRSForte) führen, das das Fehlermanagement vereinheitlichen und optimieren soll.


Offener Umgang mit Fehlern nötig

Ein entscheidender Punkt beim Risiko- und Fehlermanagement ist laut KBV der Umgang mit Fehlern. In Kliniken, Krankenhäusern und in den Arztpraxen sollte es Möglichkeiten geben, über Fehler zu sprechen. Nur so können dieselben Fehler vermieden werden. Es gehe nicht darum, wer etwas falsch gemacht habe, sondern was die Ursache gewesen sei. Auch auf Industrieseite beschäftigen sich die Hersteller von Medizinprodukten mit der Erhöhung der Patientensicherheit durch die Verringerung der Verwechslungsgefahr.

Eine Möglichkeit, Fehler auch außerhalb der eigenen Praxis zu kommunizieren, sind die Berichts- und Lernsysteme im Internet. Ziel sei, dass möglichst viele Beteiligte aus den anonym gemeldeten Fehlern anderer lernen. Hierbei arbeitet das Portal CIRS (Critical Incident Reporting-System) anonym und sicher. Es richtet sich an alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens und ermöglicht gegenseitiges Lernen aus Fehlern und kritischen Ereignissen.

Hier gelangen Sie zur Internetseite des Online- Berichts- und Lernsystems: www.cirsmedical.de

Hinterlassen Sie einen Kommentar