Praxisalltag

Ihr gutes Verordnungsrecht: Teilen von Tabletten

Das Recht des Arztes, auf dem Rezept die Teilung einer Tablette zu verordnen, bleibt auch bei Verblisterung unberührt.

© Kzenon – fotolia.com

Ärzte haben nach wie vor das Recht, auf dem Rezept die Teilung von Tabletten zu verordnen. Sie müssen deshalb nicht dem Wunsch einer Pflegeeinrichtung nachkommen, nur noch passende Wirkstoffmengen zu verschreiben, wenn Tabletten patientenindividuell verblistert an ein Pflegeheim geliefert werden sollen. Das stellt Thomas Frohberg, Ansprechpartner im Bereich Arzneimittel, Heilmittel und Impfstoffe der KV Schleswig-Holstein, im KV-Magazin „Nordlicht“ (9/2016) fest.

Hintergrund: Der Arzt könnte wirtschaftlich haftbar gemacht werden, wenn kleinere Wirkstoffmengen extra für die Verblisterung (Portionierung in Durchdrückverpackungen oder Tütchen) rezeptiert werden. Thomas Frohberg nennt ein Beispiel aus der Praxis: „Eine Pflegeeinrichtung teilt den für die Bewohner zuständigen Ärzten mit, dass die Einrichtung ab sofort eine im nächsten oder übernächsten Ort ansässige Apotheke mit der Verblisterung der Medikamente der Heimbewohner beauftragt hat. Die Verordnung von Tabletten oder Kapseln habe nun bitte so zu erfolgen, dass passende Wirkstoffmengen vom Arzt rezeptiert werden sollen, da Tabletten nicht mehr apothekenseitig geteilt werden dürfen.“ „Wie jeder Kundige weiß“, so Frohberg, „lassen sich die Pharmahersteller kleinere Wirkstoffmengen teuer bezahlen. Der verordnende Arzt wird dafür auf dem Weg der Prüfung wirtschaftlich haftbar gemacht. Daher fühlen sich viele Ärzte in solchen Situationen in die Ecke gedrängt, da sie genötigt werden, etwas zu tun, was ihnen wirtschaftlich angelastet wird und auf das sie eigentlich keinen Einfluss mehr haben.“

Dagegen sei eigentlich nichts zu tun, so der KV-Experte: „Das Recht des Arztes, auf dem Rezept die Teilung einer Tablette zu verordnen, bleibt unberührt. Darum muss er dem Wunsch der Pflegeeinrichtung auch nicht nachkommen.“

Ergänzende Information:
Gemäß aktueller bzw. novellierter Apotheken-Betriebsordnung (ApBetrO) ist das Teilen von Tabletten auf Ausnahmefälle zu beschränken. Der Arzt muss die Teilung ausdrücklich per Vermerk auf dem Rezept wünschen. Die Apotheke ist dann verpflichtet, die Qualität der so veränderten Arzneimittel „nachgewiesenermaßen” aufrecht zu erhalten. So einen konkreten Nachweis jedoch zu führen, ist seitens der Apotheke nahezu unmöglich. Jedenfalls muss die „Validität der Stabilität der Qualität über den Haltbarkeitszeitraum des Blisters oder wiederverwendbaren Behältnisses“ dokumentiert werden. Die Apotheker müssen in ihrem Qualitätsmanagementsystem (QMS) festlegen, in welchen Ausnahmefällen Tabletten geteilt werden dürfen, wenn eine schriftliche ärztliche Anforderung vorliegt. „De facto müssen Ärzte also auf das Verordnen geteilter Tabletten in Heimen verzichten, zumindest, wenn sie gestellt oder verblistert werden“, so zieht die KV Nordrhein das Fazit.

Lesen Sie hierzu auch:
http://news.doccheck.com/de/297/tablettenteilung-keine-halben-sachen/

Hinterlassen Sie einen Kommentar