Praxisalltag

Konfliktlösungstipps

Konflikte können, werden sie konstruktiv ausgetragen, auch viele Vorteile haben. Hierzu unsere Tipps.

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„Hurra, ein Konflikt!“ werden Sie als Ärztin/Arzt oder als Praxismitarbeiter/in sicherlich nicht begeistert ausrufen. Wenn Sie es aber schaffen, in solchen Situationen Ihre Haltung zu verändern, werden Sie merken, dass offen und konstruktiv ausgetragene Konflikte viele Vorteile haben und zum beruflichen Erfolg beitragen. Konflikte können nach und nach viel von ihrem bedrohlichen Potenzial verlieren, meint der Sozialwissenschaftler und Psychologe Karl Berkel. Was wird durch Haltungsveränderung erreicht?

Problembewusstsein – Konflikte machen „problembewusst“. Sie erfahren dadurch, wo die Knackpunkte liegen und was Sie selbst tun können, um sie zu entschärfen. Konflikte machen es notwendig, sich mit den Problemen aktiv zu beschäftigen: „Ohne diesen Druck fehlt häufig die Kraft und Entschiedenheit, brisante Themen anzupacken“, schreibt Berkel in seinem Buch („Konflikttraining: Konflikte verstehen, analysieren, bewältigen“).

Profilschärfung – Wenn Sie sich den Konflikten stellen, bekommen Sie nicht nur ein besseres Empfinden und bessere Einsicht für den Standpunkt des anderen, sondern auch für Ihren eigenen sowie auch für Ihre Gefühle. Sie gewinnen an Profil und können sich besser positionieren. Durch das Verhandeln bei Konflikten lernen Sie, eigene Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren, ohne dass das Gegenüber sich angegriffen fühlt.

Persönlichkeitsentwicklung – Die Rede vom „lebenslangen Lernen“ wird mit neuer Bedeutung gefüllt: Durch die Beschäftigung mit Konflikten lernen Sie, nicht alles persönlich zu nehmen und auf andere einzugehen ohne sich aufzugeben. Sie kommen dadurch mit anderen, aber auch mit sich selbst besser zurecht. In der Folge entwickeln Sie ein besseres Selbstwertgefühl. Ihre Ausstrahlung, Mimik, Gestik, Körperhaltung verändern sich.

Aktivitätsschub – Sie entwickeln das Gefühl, aktiv zu werden und zu handeln bzw. verhandeln zu können. Sie überwinden Ihre Passivität und Hilflosigkeit. Sie lernen, Handlungsspielräume zu erkennen und sich selbst nicht als Opfer zu sehen. Wenn Sie sich einem Konflikt stellen, machen Sie deutlich, dass Sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Damit qualifizieren Sie sich als Partner auf Augenhöhe.

Qualitätsoffensive – Konflikte verbessern auch die Qualität von Entscheidungen. Sie sind gezwungen, die Grundlagen der Entscheidung sorgfältig zu durchdenken, Ihre Perspektive zu erweitern, verschiedene Alternativen durchzuspielen und sich dann erst für eine Lösung zu entscheiden.

Kreativitätsschub – Konflikte fördern die Kreativität. Sie müssen Ihre eigene Schiene verlassen und erfahren, dass ein Problem oder eine Situation ganz verschieden gesehen und bewertet werden kann. Eine andere Perspektive einzunehmen, erhöht die Chance, eine neue, und zwar eine kreative Lösung zu finden.

Vorteile fürs Team – Fair ausgetragene Konflikte sind auch eine Bereicherung fürs Team. Denn kaum etwas lähmt den Arbeitseifer und die Motivation mehr als angespannte Stimmungen. Der Vorteil von Konflikten: Sie reinigen die Luft. Anschließend lässt sich zur Arbeit zurückkehren, um sich auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Alle Betroffenen sehen die Situation nicht mehr nur aus ihrem eigenen Blickwinkel; sie erweitern ihre Perspektive und verstehen Probleme umfassender und besser.

Beziehungskitt – Der konstruktive Umgang mit heiklen Themen festigt eine Beziehung. Konfliktforscher Berkel: „Die Parteien lernen sich besser verstehen, sie wissen, was ihnen wechselseitig wichtig ist, kennen ihre verletzliche Seite, finden heraus, wie sie auch unter Druck konstruktiv zusammenarbeiten können.“ Konflikte gemeinsam lösen zu können, stärkt das Wir-Gefühl des Teams!

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