Praxisalltag

Koronare Herzkrankheit: Messung der Blutflussreserve künftig auch ambulant

Die Messung verbessert die Entscheidungsgrundlage für oder gegen ein Aufweiten von verengten Herzkranzgefäßen.

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Die Messung der myokardialen fraktionellen Flussreserve kann bei bestimmten Patienten mit koronarer Herzkrankheit jetzt auch ambulant eingesetzt werden, um anstehende Therapieentscheidungen abzusichern. Diesen Beschluss hat der Gemeinsame Bundeausschuss (G-BA) am 17. November 2017 in Berlin gefasst. Die Messungen dürfen ambulant ausschließlich von Fachärztinnen und Fachärzten für Innere Medizin und Kardiologie durchgeführt werden, die eine entsprechende Genehmigung ihrer KV erhalten haben. Grundlage der Genehmigung ist die Qualitätssicherungsvereinbarung zur invasiven Kardiologie.

Die Messung der myokardialen fraktionellen Flussreserve verbessert die Entscheidungsgrundlage für oder gegen ein Aufweiten von verengten Herzkranzgefäßen. „Medizinisch angezeigt ist dieser Funktionstest aber nur bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit, bei denen eine Koronarangiographie keine klare Aussage zur funktionellen Relevanz einer Engstelle im jeweiligen Gefäß liefert“, so Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung. Die Messung der myokardialen fraktionellen Flussreserve könne in diesem Fall im Rahmen derselben Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden.

Da es sich um einen nicht risikolosen operativen Eingriff handelt, muss zuerst die nichtinvasive Diagnostik ausgeschöpft werden, so der G-BA . Bei der Messung wird im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung des verengten Blutgefäßes mit einem Drucksensor die sogenannte Blutflussreserve gemessen. In einem gesunden Gefäß beträgt der Blutfluss 100 Prozent, es würde ein Wert von 1,0 gemessen werden. Je kleiner der gemessene Wert in dem verengten Gefäß ist, desto stärker ist der Blutfluss eingeschränkt und der Herzmuskel entsprechend schlecht mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Die spezielle Messung ermöglicht entsprechend, die funktionelle Bedeutung der Gefäßverengung zu beurteilen. Sie kann bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit durchgeführt werden, bei denen die Indikation zur Koronarangiographie besteht und aufgrund des Angiographiebefunds die Indikation zur Koronarintervention nicht eindeutig ist.

Der G-BA wird dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nun den Beschluss zur Prüfung vorlegen. Nach Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger tritt der Beschluss in Kraft. Sobald der Bewertungsausschuss über die Höhe der vertragsärztlichen Vergütung entschieden hat, kann die Messung der myokardialen fraktionellen Flussreserve als abrechnungsfähige ambulante Leistung in Anspruch genommen werden.

Die Bewertung des Nutzens, der medizinischen Notwendigkeit und der Wirtschaftlichkeit der Messung der myokardialen fraktionellen Flussreserve bei koronarer Herzkrankheit berücksichtigt die Ergebnisse des Abschlussberichts des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die Auswertung der beim G-BA anlässlich der Veröffentlichung des Beratungsthemas eingegangenen Einschätzungen sowie der dort benannten Literatur und Stellungnahmen einschlägiger medizinischen Fachgesellschaften.

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