Praxisalltag

Glaukom: Neue Kleinst-Implantate sollen Erblindung verhindern

Sie werden durch ebenso kleine Öffnungen in das Auge eingebracht und je nach Erkrankungsform des Glaukoms an verschiedenen Stellen appliziert.

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Bei Glaukom-Erkrankungen können die meisten Patienten mit Augentropfen behandelt werden, die – lebenslang und täglich appliziert – den Innendruck der Augen senken. Doch nicht bei jedem Patienten sind sie ausreichend wirksam oder verträglich. Daher müssen pro Jahr in Deutschland rund 60 000 Glaukom-Patienten operiert werden. Seit Kurzem stehen für diese Operation winzige Implantate zur Verfügung, deren Durchmesser zum Teil nur noch Bruchteile von Millimetern beträgt. Das berichtete am 28. September Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde (Uni Mainz), auf dem 115. Kongress der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin.

Die Mini-Implantate stellen die winzigsten Implantate in der Medizin überhaupt dar. Sie werden durch ebenso kleine Öffnungen in das Auge eingebracht und je nach Erkrankungsform des Glaukoms an verschiedenen Stellen appliziert, um das gestaute Kammerwasser aus dem Auge herauszuführen und den Augeninnendruck zu senken. Die Operation wird dem Mikroskop bei starker Vergrößerung vorgenommen. Durch diese neue Implantationsmöglichkeit sind die Glaukom-Erkrankungen nun deutlich besser und effektiver behandelbar. Prof. Pfeiffer stellte in seinem Referat dar, dass vor allem auch solche Patienten von der minimalinvasiven Methode profitieren, bei denen augeninnendrucksenkende Medikamente nicht oder nicht ausreichend wirken, wegen Nebenwirkungen nicht vertragen oder nicht in der Lage sind, diese täglich und korrekt zu applizieren.

Die Implantate werden oft im Rahmen einer Katarakt-Operation ins Auge eingebracht, da Katarakt und Glaukom gleichzeitig auftreten: 80 Prozent aller 80-Jährigen haben nämlich eine operationswürdige Katarakt, und die Häufigkeit des Glaukoms beträgt bei den Hochbetagten je nach Bevölkerungsgruppe und Risikofaktoren zwischen zehn und
25 Prozent. „Mit diesen minimalinvasiven Glaukom-Implantaten kann die extrem schwerwiegende Erblindung im hohen Alter, die auch heute noch in Deutschland vorkommt, verhindert werden“, führte Prof. Pfeiffer aus. Der Verlust des Sehvermögens gehöre zu den größten medizinischen Einschränkungen, die Patienten erleiden müssen. In Deutschland und weltweit seien sogenannte Glaukom-Erkrankungen eine der häufigsten Erblindungsursachen. Unbehandelt führe der erhöhte Augeninnendruck zu einem Abknicken der Sehnervenfasern und zu deren langsamem Absterben.

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