Praxisalltag

Neue Diagnoseliste für Heilmittel-Verordnungen

Die Genehmigung der Krankenkasse entfällt, wenn die Erkrankung in der Diagnoseliste aufgeführt ist.

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Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprachtherapie etc.: Vertragsärzte müssen beim Verordnen von Heilmitteln gewisse Vorgaben beachten. Nun gilt seit Januar 2017 eine erweiterte Diagnoseliste für die Verordnung von Heilmitteln. Diese erleichtert nach Darstellung der KBV vor allem auch das Verschreiben langfristiger Heilmittel für Versicherte mit schweren dauerhaften funktionellen/strukturellen Schädigungen. Für diese kann eine langfristige Heilmittelbehandlung beantragt werden, was bisher komplexeren Regelungen unterlag. Auch die Diagnoselisten wurden überarbeitet und unter anderem um geriatrische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern ergänzt.

Zu den Neuerungen zählt eine von der KBV zertifizierte Verordnungssoftware, die ab April 2017 verpflichtend zu verwenden ist. Eine Übergangsregelung erlaubt den Praxen im ersten Quartal 2017 weiterhin Heilmittel aus nicht zertifizierter Software zu verordnen. Durch das nun vereinfachte Verfahren für den langfristigen Heilmittelbedarf entfällt die Genehmigung durch die Krankenkasse des Patienten, wenn dessen Erkrankung in der aktuell erweiterten Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf aufgeführt wird. Neu aufgenommen wurden darin z. B. schwere COPD, angeborene Fehlbildungssyndrome, Chromosomenanomalien und Systemischer Lupus. Neu ist auch, dass die Erweiterungen der Diagnoseliste künftig vom GBA entschieden werden.

Alle Verordnungen, die auf Erkrankungen dieser Liste beruhen und damit einen langfristigen Heilmittelbedarf begründen, unterliegen nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Sie werden laut KBV erst gar nicht in ein Prüfverfahren einbezogen.

Für nicht gelistete Diagnosen, bei denen der Arzt ebenfalls einen langfristigen Heilmittelbedarf erkennt, gilt jetzt: Die Patienten reichen bei ihrer Kasse einen formlosen Antrag sowie die Kopie der Heilmittelverordnung ein. Die Verordnung bedarf einer medizinischen Begründung, aus der Schwere und Langfristigkeit der Schädigung, die Beeinträchtigung der Aktivitäten und der Therapiebedarf hervorgehen sollten. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen über den Antrag entscheiden. Die Verordnung ist allerdings schon vorher gültig. Damit kann die Therapie beginnen, auch wenn noch keine Genehmigung der Kasse vorliegt.

Ausführliche Infos sind nachzulesen unter: http://www.kbv.de/html/heilmittel.php

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