Praxisalltag

Öffentliche Arzt-Präsentation – was sein darf und was tabu ist

Die Kommunikation außerhalb von Fachkreisen ist an gesetzlich festgelegte Regeln gebunden.

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Ein Arzt sollte und darf sich selbst, seine Tätigkeit und seine Praxis in der Öffentlichkeit grundsätzlich positiv präsentieren. Das trägt zu dem häufig emotional geprägten Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bei. Doch sollten Ärzte für ihre Praxis-Websites im Internet oder bei anderweitigen Veröffentlichungen für die Allgemeinheit besondere Sorgfalt walten lassen. Die Kommunikation außerhalb von Fachkreisen, zum Beispiel mit potentiellen Patienten, ist an gesetzlich festgelegte Regeln gebunden. Dabei greifen vor allem das Heilmittelwerbegesetz (HWG), das Berufsrecht und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG), das Telemediengesetz (TMG) und das Urheberrecht.

Generell ist jedoch von Werbung abzuraten, die lautstark anpreist oder mit übertreibend darstellenden Effekten versehen ist. Gerade für Ärzte sind „marktschreierische“ Präsentationen unseriös und sogar unzulässig. Wenn jedoch der Arzt auf sympathische Art in Wort und Bild als patientenfreundlich hervorgehoben wird, also eine Imagewerbung vorliegt, so ist das statthaft, es sei denn, Text und Abbildungen sind als anreißerisch oder anbieterisch einzuordnen. Wo der Schwellenwert für das Anpreisende liegt, darüber wird in vielen Einzelfällen immer wieder vor Gericht gestritten. Juristischer Streitpunkt ist dabei oft auch der Begriff „irreführende Werbung“, denn es ist gesetzlich nicht genau definiert, wie Irreführung allgemein auszulegen ist. 

Für sachliche Informationen über Behandlungsmethoden liegt kein Werbeverbot vor. Werden z. B. öffentlich Informationen zu speziellen Behandlungs- und Operationsmethoden gegeben, und besteht an diesen sachlichen Informationen (Wissenswertes über Inhalt, Bedeutung und Möglichkeiten der praktizierten Behandlung) ein anerkennenswertes Allgemeininteresse, so wird eine standeswidrige Kommerzialisierung verneint.

Bevor aber eine Website „scharfgeschaltet“ oder ein Artikel zur Veröffentlichung weitergegeben wird, sollte diese vom Praxisinhaber und/oder dem von ihm beauftragten Homepage-Layouter noch einmal darauf überprüft werden, ob folgende Kriterien eingehalten werden:

  • Zunächst zur Praxis als solche: Eine Praxis, Gemeinschaftspraxis, MVZ darf nicht z.B. als „Zentrum“ bezeichnet werden, wenn andere Leistungserbringer in diesem Fachbereich in der Umgebung ebenfalls tätig sind. Die Bezeichnung als z.B. „der Hausarzt in der Stadt XY“ usw. wäre einzig dann erlaubt, wenn in dieser Stadt kein anderer Hausarzt praktiziert.
  • Die sogenannten Vorher/Nachher-Bilder von Patienten verbieten sich nur dann, wenn diese „Werbung“ in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgt. Unzulässig sind jedoch öffentliche Abbildungen von plastisch-chirurgischen Eingriffen.
  • Heilungsversprechen und Werbung mit Therapieerfolgen sowie selbst evidenzbasierte, wissenschaftlich fundierte Zahlen, Daten, Fakten dürfen nicht so dargestellt werden, dass der „verständige Patient“ darin ein Erfolgsversprechen verstehen könnte.
  • Das Abstreiten oder Negieren von Nebenwirkungen darf nicht sein. Arzt – und Apotheker – dürfen Risiken und unerwünschte Wirkungen nicht verschweigen nicht kleinreden oder gar in Abrede stellen.
  • Außerhalb der Fachkreise darf nicht mit Aussagen geworben werden, die dem Leser/Hörer nahe legen, dass die Gesundheit durch die Nichtverwendung eines Arzneimittels beeinträchtigt oder andererseits durch die Verwendung verbessert werden könnte.
  • Informationen zu Krebserkrankungen gegenüber Laien sind verboten. Der Passus des HWG zu diesem besonders sensiblen Thema verbietet solche Informationen über Krebserkrankungen außerhalb der Fachkreise und Praxis.
  • Informationen für Laien zu verschreibungspflichtigen Medikamenten sind ebenfalls reglementiert: In vielen anderen Ländern laufen zwar Fernsehspots mit offensiver Werbung z. B. für Blutdrucksenker, PDE-5-Hemmer und mehr. In Deutschland darf jedoch allenfalls für OTC-Produkte geworben werden. Als Werbung wird dabei auch schon gewertet, wenn ein Arzt zur Art und zum Einsatz von verschreibungspflichtigen Medikamenten berichtet.
  • Dank- und/oder Empfehlungsschreiben an (potentielle) Patienten sind nur dann untersagt, wenn diese missbräuchlich, abstoßend oder irreführend sind bzw. ein Heilungsversprechen beinhalten.
  • Empfehlungen von Wissenschaftlern, Medizinern, Prominenten sind außerhalb der Fachkreise nicht statthaft. Das heißt: Alle Angaben oder Darstellungen, die sich auf eine Empfehlung von Wissenschaftlern, von im Gesundheitswesen tätigen oder anderen Personen, die aufgrund ihrer Bekanntheit zum Arzneimittelverbrauch anregen können, sind verboten.
  • Wiedergabe oder Hinweise auf Krankengeschichten, selbst nur die Hinweise darauf, sind unzulässig, wenn diese Darstellung in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgt oder durch eine ausführliche Beschreibung oder Darstellung zu einer falschen Selbstdiagnose verleiten kann. Ansonsten gelten natürlich auch hier die Vorgaben der ärztlichen Schweigepflicht und des Datenschutzes.
  • Nicht erklärte Fachbegriffe sind unzulässig, wenn sie zur Irreführung/Missverständnissen beitragen; auch nicht erklärte Abkürzungen verbieten sich.
  • Gewinnspiele, Verlosungen und ähnliche Aktionen in die Öffentlichkeit hinein mit Bezug zu Arzneimitteln, Abgabe von Proben, Mustern sind nicht erlaubt. Auch sind Rabattaktionen für ärztliche Selbstzahlerleistungen (IGeL) generell nicht möglich.

Red. Hinweis zur Textgrundlage: diverse Quellen, u.a. www.arzt-auskunft.de, Webcode Guideline

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