Praxisalltag

Online-Sprechstunden ersetzen den Arztbesuch nicht – sie ergänzen ihn

Video-Sprechstunden sind im E-Health-Gesetz als Möglichkeit des Arzt-Patienten-Kontakts verankert.

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Das Angebot von Video-Sprechstunden ist inzwischen weit gediehen. So bietet beispielsweise die Ärztegenossenschaft Nord eG in Kooperation mit der Patientus GmbH (Lübeck) die Einrichtung von Online-Sprechstunden an.

Mit Computer-Sprechstunden wird der Besuch des Patienten in der Praxis aber nicht komplett ersetzt, sondern lediglich ergänzt. Juristisch gesehen muss beachtet werden, dass Patienten keinesfalls nur telemedizinisch behandelt werden dürfen. Der Patient muss vor einer Video-Sprechstunde und für die Diagnose-Stellung in der Praxis gewesen und vom Arzt untersucht worden sein. Hintergrund ist das in der Musterberufsordnung verankerte Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung. Mit anderen Worten: Computer-Sprechstunden kommen im Prinzip nur bei Patienten in Betracht, die der Arzt schon kennt.

Vorteil ist dann, dass für die Patienten, die das System nutzen, längere Wege in die Praxis sowie Aufenthalte im Wartezimmer entfallen. Gleichzeitig schonen die Ärzte ihre Praxis-Ressourcen. Video-Sprechstunden erfordern im Vorfeld jedoch einen gewissen Aufwand an Aufklärungsarbeit, also dem Patienten zu sagen und ihn davon zu überzeugen, dass Krankheiten nicht einfach nur so per Internet behandelt werden können.

Außer Patientus gibt es u. a. die medizinischen Video-Chats „Arztkonsultation“ und „Free-med“. Die dabei jeweils sicheren Verbindungen Arzt-Patient kommen über das Computerprogramm Teamviewer mit einer ID und einem Kennwort zustande.

Die Einrichtung von Videosprechstunden verursacht beim Arzt natürlich einen Aufwand, der nach GOÄ/EBM (Nr. 01435 oder auch 01102) abgerechnet werden kann. Außerdem ist der Arzt berechtigt, noch eine Auslagengebühr für die Software zu berechnen. Bei den zurzeit geltenden Abrechnungsmöglichkeiten sind die entsprechenden Angebote lediglich ein erleichternder Service für Patient und Arzt. Denn dieser rechnet sich unter dem Strich finanziell für die Praxis kaum. Der Service könnte aber künftig sehr wohl auf dem flachen Land ein probates, ergänzendes Instrument des Patientenkontakts sein.

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