Praxisalltag

Palliativmedizin: Neue EBM-Leistungen für Hausärzte

Neue Leistungen sollen die Lücke zwischen der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) mit spezialisierten Teams und der hausärztlichen Palliativversorgung schließen.

© KBV

Die vom 01. Oktober 2017 an geltenden neuen palliativmedizinischen EBM-Leistungen sollen die Lücke zwischen der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) mit spezialisierten Teams und der hausärztlichen Palliativversorgung schließen. Der Bewertungsausschuss hat die acht ergänzenden Gebührenordnungspositionen (GOP) beschlossen, um damit die Palliativversorgung zu fördern. Diese GOP sind im neuen EBM-Abschnitt 37.3 zusammengefasst. Sämtliche Leistungen dieses Abschnitts sind zunächst auf zwei Jahre begrenzt und werden extrabudgetär vergütet.

Ähnlich wie im analog gestalteten EBM-Unterkapitel 37.2 mit Kooperations- und Koordinationsleistungen in Pflegeheimen betreffen die neuen Positionen die arztübergreifende Koordination der erforderlichen Leistungen (EBM-Position 37302, Zuschlag für den koordinierenden Arzt, 275 Punkte) und auch um Fallkonferenzen (EBM-Nr. 37320, 64 Punkte). Dabei benötigen Hausärzte nicht für alle neuen Leistungen die Genehmigung der KV, die wiederum an bestimmte Mindestanforderungen geknüpft ist, wie der regelmäßige Besuch von Fortbildungen oder auch der Nachweis einer Zusatzqualifikation sowie umfangreiche Erfahrungen mit Betreuung sterbenskranker Patienten.

Der Hausärzteverband wundert sich bei den neuen Leistungen vor allem über die erforderlichen Zusatzqualifikationen, die es vielen Hausärzten erschwere, so der Verband, die neuen Leistungen anzubieten. In der Musterweiterbildung für Allgemeinmedizin werde die „Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten“ doch explizit als Weiterbildungsinhalt genannt. Der Verband wies darauf hin, dass der weiterbildende Arzt dabei ausdrücklich bescheinigen müsse, dass der Arzt in Weiterbildung Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden sowie palliativmedizinisch zu versorgender Patienten erlangt hat. Selbstverständlich gehöre die Schmerztherapie und Wundversorgung dazu, genauso wie die Behandlung von Patienten in ihrem familiären Umfeld und häuslichen Milieu, ebenso die Hausbesuchstätigkeit einschließlich der psychosozialen Betreuung der Angehörigen.

Zu den neuen Palliativleistungen zählt auch die palliativmedizinische Ersterhebung, bei der der Arzt anhand eines Assessments den individuellen palliativen Bedarf des Patienten ermittelt (EBM-Nr. 37300, 392 Punkte). So ist es auch gedacht für die übrigen palliativmedizinischen Leistungen aus dem EBM-Kapitel 03, dem Zuschlag zur Versichertenpauschale (EBM-Nr. 03371, 159 Punkte), zu den Hausbesuchsleistungen (Nr. 03372, 124 Punkte) und zu dringenden Besuchen (Nr. 03373, 124 Punkte). Letztere Zuschläge finden sich auch im neuen EBM-Kapitel 37.3 wieder – abrechenbar ohne KV-Genehmigung und identisch bewertet. Eine Genehmigung der KV mit allen weiteren erforderlichen Nachweisen ist dagegen für den neuen Zuschlag für die Besuchsbereitschaft und Erreichbarkeit (EBM-Nr. 37317, 1425 Punkte, einmal im Krankheitsfall) und für die telefonische Beratung (Nr. 37318, 213 Punkte) erforderlich.

Hinterlassen Sie einen Kommentar