Praxisalltag

Patient irritiert vom Austausch: „Andere Produkte werden mir auch nicht diktiert!“

Der Apotheker argumentiert, es handele sich um den gleichen Wirkstoff. Mir stellt sich die Frage, warum dann von zwei unterschiedlichen Herstellern?

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Ein Patient verschaffte sich mit Datum vom 17.02.2017 in einer E-Mail Luft, weil er in der Apotheke nicht sein gewohntes Medikament erhielt. Patient Rudolf N. (der vollständige Name liegt uns vor) richtete folgende Anmerkung und seine Fragen an Q-Pharm sowie gleichzeitig an den Mitbewerber H-Pharma (auch dieser Pharmahersteller ist uns bekannt). Rudolf N. schrieb wörtlich:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahren bekomme ich das Medikament Ome-Q 20 mg magensaftresistente Kapseln, woran sich sicher auch mein Körper gewöhnt hat. Heute erhalte ich plötzlich das Medikament Omeprazol (H-Pharma) 20 mg magensaftresistente Hartkapseln. In wie weit mein Körper diese Medikament verträgt, ist fragwürdig? Wer übernimmt die Verantwortung?

Der Apotheker argumentiert, es handele sich um den gleichen Wirkstoff. Mir stellt sich die Frage, warum dann von zwei unterschiedlichen Herstellern? Bei einem Auto egal ob von Opel oder Ford hergestellt handelt es sich auch um ein Auto, aber deren Zusammensetzung unterscheidet sich ganz gewaltig. Genauso verhält es sich auch mit anderen Produkten unterschiedlicher Hersteller und Preise. Hier gibt es niemand, der mir diktiert welches Produkt ich zu kaufen habe.

Also was soll das eigentlich?

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf .N.


Diese aufschlussreiche Mail von Rudolf N. ist willkommener Anlass für eine aufklärende Antwort, die Helmut Nissen, Marketingleiter der Q-Pharm, an den Patienten richtete:

Sehr geehrter Herr N.,

Sie haben vollkommen Recht. Therapeutisch unverzichtbare Elemente wie Verträglichkeit, Gewohnheit, Vertrauen werden bei einem Austausch eines an sich wirkstoffgleichen Arzneimittels oftmals vernachlässigt.

Und Sie als Patient werden dabei zumeist gar nicht gehört. Eine Situation, die uns genauso stört, wie Sie, dem dieser Wechsel zugemutet wird.

Deshalb treten wir als Q-Pharm für eine nachhaltige Arzneimittel-Therapiesicherheit ein. Denn es gibt Wege, den Austausch in medizinisch begründeten Fällen zu verhindern.

Gerne möchte ich Ihnen die Zusammenhänge erklären: Grundlage für den Austausch sind die sogenannten Rabattverträge. Diese werden von Ihrer Krankenkasse in Ausschreibungsverfahren mit einem Pharmaunternehmen geschlossen. Die Kasse bekommt nach Einlösung des Rezepts in der Apotheke und der normalen Kostenverrechnung eine nachträgliche Gutschrift in vereinbarter (aber der Öffentlichkeit nicht bekannter) Höhe, in Ihrem Fall von der H-Pharma.

Ausgetauscht werden kann/muss mit einem wirkstoffgleichen [Omeprazol], in Wirkstärke [20mg] und Packungsgröße [jeweils die Normgröße N1, N2 oder N3, also z.B. einer 100er Packung] identischen ‚Rabattprodukt‘. Natürlich muss ein Anwendungsgebiet übereinstimmen. Die Darreichungsformen, zum Beispiel Tabletten, Kapseln, Hartkapseln, werden vielfach als untereinander austauschbar angesehen. Leider.

Zudem muss bemerkt werden, dass diese vermeintlich alternativen Arzneimittel in ihrer Zusammensetzung eben nicht vollständig identisch sind. Neben dem arzneilichen Wirkstoff enthalten Medikamente auch diverse Hilfsmittel, die selbstverständlich Auswirkungen auf die Verträglichkeit haben können. Unterschiedliche Formen, Farben, Größen können ebenfalls zur Verunsicherung beim Patienten beitragen.

Ihre Frage: Was soll das eigentlich? Es soll Kosten sparen. Aber der patientenindividuelle Aspekt darf unserer Meinung nach nicht geopfert werden! Sie scheinen ein typisches Beispiel dafür zu sein, dass ein beliebiger Wechsel (denn nach spätestens zwei Jahren erhalten Sie vermutlich wieder ein neues Präparat, weil Ihre Krankenkasse dann einen neuen Vertrag schließt) Verärgerung und Verunsicherung auslösen kann. Ein Aspekt, der von den Krankenkassen oft zu gering geschätzt wird.

Ihr Apotheker oder Ihre Apothekerin kann nichts dafür. Er/sie ist verpflichtet, eine sogenannte Substitution vorzunehmen. Ansonsten haftet er/sie auch finanziell.

Ihre Frage: wer übernimmt die Verantwortung? (bezüglich der Verträglichkeit)

Auf jeden Fall nicht die Krankenkasse. Aber ansonsten wir alle ein bisschen.
Sie, indem Sie es mit Ihrer Nachfrage offen ansprechen und uns die Chance geben, Stellung zu nehmen.
Wir als Pharmaunternehmen, indem wir alle Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen in einem sogenannten Stufenplanverfahren behandeln. Das gilt auch für H-Pharma.

Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hat möglicherweise die größte Verantwortung. Er/sie verordnet das passende Medikament. Wenn Ihr Arzt von der guten Verträglichkeit von Ome-Q® durch die langjährige Anwendung weiß und den Austausch für kritisch hält, dann kann er/sie durch Setzen des Aut-idem Kreuzes auf dem Rezept den Austausch in der Apotheke verhindern. Mit dem Kreuz muss und darf der Apotheker Ihnen das vertraute Medikament aushändigen. Hierin liegt ein ausreichender medizinischer Grund. Sprechen Sie Ihren Arzt bitte darauf an.

Auch unsere Arzneimittel sind sehr preiswert und tragen per se zur Kostendämpfung bei. Wir selbst nehmen deshalb in der Regel nicht an Rabattausschreibungen teil, denn Arzneimittel haben ihren Wert. Nur so kann die Güte und Qualität verteidigt werden.

Wir engagieren uns ganz bewusst für eine am Patienten orientierte Arzneimitteltherapiesicherheit, bei der die Rolle von Arzt und Apotheke gleichfalls gewürdigt bleibt. Denn das ist das, was wir Patienten benötigen.

Naturgemäß werden Sie von H-Pharma eine etwas anders lautende Botschaft erhalten.

Q-Pharm ist eben ein außergewöhnliches Unternehmen.

Alles Gute!

Mit besten Grüßen aus dem hohen Norden

Helmut Nissen

P.S: Wenn Ihr Arzt weitere Informationen möchte, stehen wir gerne zur Verfügung.

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