Praxisalltag

VERAH und NaPä nicht mehr wegzudenken – das Delegieren lohnt sich

Untersuchungen ergeben, dass 44 Prozent der Hausbesuche delegierbar sind.

© designer491 – Fotolia.de

Mitte Dezember 2017 hat die zehntausendste Medizinische Fachangestellte (MFA) die Prüfung zur VERAH® (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) absolviert. Außer VERAH sind inzwischen weitere hundert Nichtärztliche Praxisassistentinnen und –asisstenten (NäPA) bundesweit im Einsatz. 2009 ist das System eingeführt worden, mit dem in erster Linie Hausärzte entlastet werden. Eine VERAH oder NäPA (Nichtärztliche Praxisassistentin in der Regelversorgung) übernehmen bestimmte Tätigkeiten vom Arzt und tragen so zu einer optimierten Patientenversorgung bei. Untersuchungen ergeben, dass 44 Prozent der Hausbesuche delegierbar sind. Auch kann der Arzt mit der Delegation je nach Einsatzzeit eigenes zusätzliches Honorarpotenzial durch die frei werdenden Stunden generieren.

Die delegierte Aufgabenstellung macht sich unter dem Strich offenbar bezahlt. Die Berechnungen aufgrund der bisherigen Erfahrungen ergaben, dass sich das Delegieren bestimmter Leistungen an die Assistentinnen für den Arzt lohnt. Auch die MFA, die sich zur NäPA ausbilden, profitieren von den zusätzlich erworbenen Kenntnissen, indem sie/er mehr als normal verdienen. Manche Ärzte zögern zwar noch, diese Kräfte einzusetzen, weil dadurch die Personalkosten steigen, berichtete kürzlich die Ärzte Zeitung. Doch lohne sich diese Investition jedoch schnell, wenn genug Hausbesuche zu erbringen sind. Über das Honorarsystem (in Hausarztverträgen oder in der Regelversorgung) wird die Delegation von VERAH/NäPa bezahlt. Diese Honorierung erfolgt durch Pauschalen und mit dem Honorar für „ärztlich angeordnete Hilfeleistungen“, vor allem der Haus- und Heimbesuche. Für den Einsatz der VERAH erhalten Hausärzte in der HzV eine Zusatzpauschale.

Doch nutzen die Ärzte das zur Verfügung stehende Finanzvolumen für ärztlich angeordnete Hilfsleistungen nicht völlig aus. Dieses wurde z. B. für den Bereich der KV Nordrhein konstatiert. Dort stehen seit Anfang 2015 für die Vergütung der NäPA und der weiterführenden sozialpädiatrischen Versorgung in Nordrhein pro Quartal insgesamt 3,8 Millionen Euro zur Verfügung. Während der Ausschöpfungsgrad im ersten Quartal bei lediglich 27,7 Prozent lag; im zweiten Quartal 2017 waren es 65,5 Prozent. Die Vergütung der NäPA stieg im genannten Zeitraum von 706.000 Euro (I/2015) auf 2,1 Millionen Euro (II/2017). Vom ersten Quartal 2018 an werden in Nordrhein die Mittel der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) zugeschlagen, inklusive der nicht ausgeschöpften Kontingente.

Bislang werden die NäPA vor allem von Hausärzten eingesetzt. Bei deren VERAH-Konzept handelt es sich um eine Weiterqualifizierung für erfahrene MFA, die vom Institut für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF) angeboten wird. VERAH wurde vor neun Jahren gemeinsam mit dem Verband der medizinischen Fachangestellten entwickelt und ist heute nicht mehr aus den Hausarztpraxen wegzudenken. Es ist das mit Abstand erfolgreichste Delegationsmodell im deutschen Gesundheitswesen und eine Win-win-win-Situation. IHF-Vorsitzender Dr. Hans-Michael Mühlenfeld: „Die Patienten können umfassender versorgt werden, die Hausärzte deutlich entlastet und die Medizinischen Fachangestellten haben die Chance, sich zu qualifizieren und so mehr Verantwortung im Praxisalltag zu übernehmen.“

Die Fortbildung zur VERAH setzt sich aus acht berufsbegleitenden Modulen zu Themen wie Wund- und Praxismanagement, Hospitations-Praktikum, schriftlicher Hausarbeit und mündlicher Prüfung zusammen. Der Fortbildungsumfang richtet sich nach der Dauer der Berufstätigkeit der/des MFA. Bei einer Berufsausübung von unter fünf Jahren umfasst die NäPA-Ausbildung insgesamt rund 270 Stunden. Die Kursgebühr (1.500 bis 1.800 Euro) übernimmt in der Regel der Arbeitgeber. Fahrt und Übernachtung tragen meist die Fortzubildenden und die Kurstage können als Arbeitszeit angerechnet werden.

Vor dem Aufwand und den Fortbildungskosten scheuen manche Hausärzte zurück. Für Zweifler bietet sich eine genaue betriebswirtschaftliche Kalkulation an, um die Wirtschaftlichkeit einer Delegationskraft tatsächlich beurteilen zu können. Die Einnahmen durch die Delegationskraft werden den monatlichen Zusatzkosten (Personalmehrkosten, Kfz, Mobiltelefon, Versicherung, usw.) sowie dem Qualifizierungsaufwand gegenüber gestellt. Die Amortisationsdauer hängt davon ab, wann der Gewinn durch die Delegationskraft (Einnahmen abzüglich Ausgaben) die Qualifizierungskosten erwirtschaftet hat. Außer der Amortisationsdauer sollte betriebswirtschaftlich von Interesse sein, wie sich die NäPA insgesamt in den kommenden Jahren auf die Praxis auswirkt. Das A und O ist jedenfalls die Zahl der Haus- und Heimbesuche von Patienten.

Folgendes Berechnungs-Tool gibt erste Anhaltspunkte für die NäPA-Wirtschaftlichkeit: www.atlas-medicus.de/delegation

Hinterlassen Sie einen Kommentar