Praxisalltag

„Was hab‘ ich?“ macht Mediziner-Latein verständlich

Washabich übersetzt komplexe medizinische Befunde von Experten kostenlos in eine für Laien verständliche Sprache.

Eigenes Archiv

Das Internet-Portal „Was hab‘ ich?“ mit Sitz in Dresden ist vor 5 Jahren gestartet und bis heute zu einem Erfolgsmodell herangewachsen. Die Idee: Komplexe medizinische Befunde werden von Experten kostenlos in eine für Laien verständliche Sprache übersetzt. Auch Ärzte selbst bedienen sich mittlerweile dieses besonderen Services.

Die beiden Ärzte Anja Kersten und Johannes Bittner mit  dem Informatiker Ansgar Jonietz (mit Brille) sind die drei Gründer von www.washabich.de.

Die beiden Ärzte Anja Kersten und Johannes Bittner mit dem Informatiker Ansgar Jonietz (mit Brille) sind die drei Gründer von www.washabich.de.

Seit Mitte Januar 2011 wurden rund 27.000 Befunde von dem ehrenamtlich tätigen „Was hab‘ ich?“-Medizinerteam für Laien deutlich gemacht. Im gleichen Zeitraum sind rund 1.400 Mediziner im Rahmen von „Was hab‘ ich?“-Kursen sowie durch das Engagement von hunderten Medizinstudierenden und Ärzten für eine verständliche Kommunikation mit Patienten sensibilisiert worden.

Die jüngste Kooperation des Portals ist mit der Paracelsus-Klinik im rheinland-pfälzischen Bad Ems gestartet worden. Seit November 2015 erhalten die Klinik-Patienten einen in verständlicher Sprache formulierten Arztbrief nach Hause geschickt. Ansgar Jonietz: „Nun können Patienten viel besser mit ihrem Hausarzt über ihre Erkrankungen kommunizieren. Jedem Patienten der Inneren Abteilung der Klinik werde der vorläufige Arztbrief, der nach dem stationären Aufenthalt an den weiterbehandelnden niedergelassenen Arzt geht, als übersetzten Patientenbrief nach Hause geschickt. Die Arztbriefe übersetzen Mitarbeiter von „Was hab‘ ich?“. Von dort werden die Briefe an die Patienten versandt. Seit Beginn der Zusammenarbeit haben das Klinikum und „Was hab ich“ rund 150 Patienten mit Übersetzungen der medizinischen Fachsprache versorgt.

Das Feedback der Patienten ist offenbar überwältigend groß: „In unserer Evaluation haben 85 Prozent der Patienten angegeben, die Übersetzung habe ihnen Mut gemacht, der eigenen Krankheit mit Entschlossenheit entgegenzutreten“, so Ansgar Jonietz in der Ärzte Zeitung (15.02.2016). Ob das Bad Emser Projekt ausgeweitet werden könne, werde die laufende Evaluation zeigen. Einfach ist es laut Jonietz jedenfalls nicht gewesen, die Idee in die Tat umzusetzen. Die Datenschutzbestimmungen seien von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich; für das Projekt war die Genehmigung des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums erforderlich. Und ob das Informationsbedürfnis der Patienten durch die nun verständlichen Entlass-Briefe gestillt oder erst richtig geweckt worden sei, werde ebenfalls abzuwarten sein. „Wir wollen jedenfalls kein Ersatz für das Arztgespräch sein“, sagt Jonietz.

Wie funktioniert dieses Portal? Patienten laden unter washabich.de ihren medizinischen Befund anonym hoch oder senden ihn per Fax ein. Die Übersetzung wird innerhalb weniger Tage von einem Team aus Medizinstudenten höherer Semester erstellt. Bei komplexen Befunden stehen den Studenten ein Ärzteteam sowie zwei Psychologen beratend zur Seite. Der Patient kann die Übersetzung anschließend passwortgeschützt online abrufen. So können Patienten den ärztlichen Befund und die sich daraus ergebenden möglichen Folgen besser einschätzen.

Die Mediziner arbeiten ehrenamtlich für Was hab‘ ich? und bereiten sich damit engagiert und praxisnah auf ihr Berufsleben vor. Die Bearbeitung realer Patientenfälle führt dazu, dass Studenten sich immer wieder neues medizinisches Fachwissen aneignen und gleichzeitig lernen, komplexe Medizin patientengerecht zu erklären. Als Arbeitsumgebung dient den Medizinstudenten und Ärzten eine selbst entwickelte, von außen nicht zugängliche virtuelle Plattform. Dieses interne Medizinernetzwerk stellt die Steuerzentrale von „Was hab‘ ich?“ dar und bietet neben den Übersetzungswerkzeugen Möglichkeiten zur Diskussion sowie zum fachlichen Austausch.

Das Gesundheitsportal wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Weiterführende Informationen entnehmen Sie bitte der Website: https://washabich.de

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