Praxisalltag

Weltweit kürzeste Wartezeit

… und trotzdem Termin-Servicestellen

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Deutschlands Ärzte sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Weltmeister bei den kürzesten Wartezeiten auf Facharzttermine. Dennoch wird die KBV die nach wie eine umstrittene Vorgabe aus dem Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) umsetzen: Bis Ende Januar 2016 müssen laut VSG die Terminservicestellen bei den KVen die Arbeit aufnehmen. Nun macht die KBV den KVen ein Angebot, wie solche Terminservicestellen eingerichtet werden können (www.kbv.de/html/17445.php). Dieses Angebot sei eine freiwillige Option, die von den KVen auf ihre Bedürfnisse angepasst genutzt werden könne, sagte KBV-Vorsitzender Dr. Andreas Gassen am 29. September vor der Presse.

Dr. Florian Fuhrmann

Dr. Florian Fuhrmann

Die Handhabung des Systems werde für Ärzte und KVen einfach sein, versprach gleichzeitig Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik GmbH. Ende September endete die entsprechende Ideensammlung von KVen und Softwarehäusern, wie der Service in die Praxis-EDV implementiert werden könne. Doch bis zum gesetzlich vorgegebenen Termin werde das System nicht komplett online gehen können, meinte Fuhrmann an. Es werde deshalb eine Übergangsregelung vorbereitet. Ein Prinzip sei dabei: Fachärzte können freie Terminkontingente anmelden; die KVen teilen diese bei Dringlichkeit den Patienten zu. Laut VSG sollen die Servicestellen den Patienten binnen vier Wochen Facharzttermine vermitteln. Kann das nicht garantiert werden, hat der Patient Anspruch auf eine ambulante Visite bzw. Behandlung im Krankenhaus. Die KVen setzen bei den Ärzten auf Freiwilligkeit, sagte z. B. Thomas Kriedel von der KV Nordrhein-Westfalen.

KV Baden-Württemberg marschiert vornweg

Inzwischen schufen die baden-württembergischen KV-Delegierten mit ihrem Beschluss (7. Oktober) bereits Fakten: Die Meldung von freien Terminen für die künftige Terminservicestelle soll ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen. Bei einer KV-Umfrage unter 1.178 Praxen votierten 84 Prozent für eine freiwillige und nur 185 Praxen für eine verpflichtende Terminmeldung. Nur für den Fall, dass nicht ausreichend freie Termine gemeldet werden, wurde der KV-Vorstand ermächtigt, eine Meldepflicht für Termine zu erwägen. 

Einer internationalen Studie des Commonwealth Fund aus dem Jahr 2010 zufolge, auf die von der KBV erneut hingewiesen wurde, erhalten 83 Prozent der Patienten innerhalb eines Monats einen Termin beim Facharzt. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich noch vor der Schweiz weit an der Spitze. Bei der zugrundeliegenden Telefonumfrage wurden mehr als 19.000 Personen ab 18 Jahre in elf Industrienationen unter anderem zu ihren Erfahrungen mit Wartezeiten im Gesundheitssystem befragt. Auch die Umfrage der 2014 von der KBV beauftragten Forschungsgruppe Wahlen (rund 6.000 zufällig ausgewählte Bundesbürger wurden befragt) ergab ein ähnliches Ergebnis. Danach wartet die Mehrheit der Patienten hierzulande gar nicht beziehungsweise maximal eine Woche auf einen Termin. Die Befragung ergab jedoch auch, dass zwei Drittel der Bürger, sprich Patienten, eine zentrale Servicestelle zur Vermittlung von Facharztterminen gut finden. Doch glauben nur 30 Prozent, dass sich damit Wartzeiten tatsächlich deutlich verkürzen lassen. 72 Prozent der Befragten sagen, dass sie nicht zu irgendeinem Arzt, sondern zu ihrem „Wunscharzt“ möchten. Ein weiteres Ergebnis, diesmal aus einer Studie der Techniker Krankenkasse von 2013: Danach sind sogar 90 Prozent der gesetzlichen und privaten Versicherten mit der Wartezeit auf einen Arzttermin zufrieden.

Diese Studien zeigten, dass die Patientenversorgung in Deutschland gelinge, sagte KBV-Chef Gassen. Deutschland sei im internationalen Vergleich „Weltmeister bei den Wartezeiten“. Diese seien „extrem kurz, und der Zugang zu allen medizinischen Leistungen ist für alle gegeben.“

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