Praxisalltag

Zuzahlungen – immer wieder sind Patienten irritiert

Auch ein per Rabattvertrag abgegebenes Arzneimittel ist nicht automatisch von der Zuzahlung befreit.

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Nicht wenige GKV-Patienten sind verunsichert, wenn sie in der Apotheke für ein ihnen verordnetes Medikament eine Zuzahlung leisten müssen. Und besonders ist der Patient dann irritiert, wenn er plötzlich für sein gewohntes bisher zuzahlungsbefreites Arzneimittel in der Apotheke aus eigener Tasche etwas dazu geben muss.

Nicht selten konfrontiert dann der Patient den Arzt seines Vertrauens mit entsprechend kritischen Nachfragen. Doch der Arzt selbst hat bekanntlich keinerlei Einfluss darauf, wann ein Patient etwas zuzahlen muss. Die Zuzahlungs-Situation ändert sich sozusagen fließend, – ein Prozess, den Ärzte nicht ständig aktualisieren und nachvollziehen können. Ein gutes Beispiel für die Komplexität dieses System ist, dass auch ein per Rabattvertrag abgegebenes Arzneimittel nicht automatisch von Zuzahlung befreit ist. So müssen gesetzlich Versicherte in diesem Jahr häufiger auch für Rabattarzneimittel zuzahlen. Darauf hat jüngst z. B. die Bundesvereinigung der Apothekerverbände (ABDA) hingewiesen.

Die sogenannte Befreiungsquote für die Zuzahlung ist innerhalb eines Jahres von 32 Prozent (Anfang 2016) auf zurzeit 23 Prozent gesunken – das heißt, es ist aktuell nur jedes fünfte Arzneimittel von Zuzahlung befreit. Die Hauptgründe dafür sind das Auslaufen alter und die Vereinbarungen neuer Rabattverträge. Bekanntlich kann der GKV-Spitzenverband Arzneimittel dann von der Zuzahlung freistellen, wenn der Abgabepreis mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag liegt.

Unser Tipp: Der Arzt oder auch die MFA sollten die Patienten auf die komplexen entsprechenden gesundheitspolitischen Richtlinien hinweisen. Das ist sicherlich nicht immer mit wenigen Worten getan, doch der Patient dürfte letztlich die Situation verstehen. Er sollte dann Verständnis dafür aufbringen, dass Ärzte und Apotheker an solche Vorschriften gebunden sind.

Da sich inzwischen sehr viele Patienten Informationen im Internet holen, kann der Arzt, um seine eigene Kurz-Information zu unterstützen, auch auf eine seriöse, fachlich korrekte Webseite mit den wichtigsten Regelungen zu Zuzahlungen und Erstattungen hinweisen. In diesem Fall empfiehlt PERSPECTIV die Internet-Information des Bundesgesundheitsministeriums (Internet-Adresse am Schluss). Auf dieser offiziellen Internetseite werden alle diese Regelungen aufgeführt und genau erläutert:   

  • Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente
  • Keine Arzneimittel-Zuzahlungen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • Belastungsgrenze
  • Ausnahmen bei schweren Erkrankungen
  • Zuzahlungsbefreiung für günstige Präparate
  • Festbeträge
  • Rabattverträge

Link: www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/arzneimittelversorgung/zuzahlung-und-erstattung.html

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel „Zu- und Aufzahlung – das ist dem Patienten nicht erklärbar“ für weiterführende Informationen.

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